(Foto: Mira Pusch)

Lange Zeit in meinem Leben habe ich nicht an mein eigenes Potenzial geglaubt. Ich habe mir selbst sehr erfolgreich eingeredet, dass alles was ich bis jetzt erreicht habe, einfach Glück oder viel mehr Zufall war und nichts mit mir zu tun hat.

Um selbstbewusster zu werden, gehört es aber auch dazu, sein volles Potenzial anzuerkennen. In jedem von uns steckt unfassbar viel Potenzial. Und das Wunderbare ist, dass es in jedem von uns ein anderes ist. Das liegt ganz einfach daran, dass wir in unseren Leben unterschiedliche Erfahrungen machen und unterschiedliches Wissen gesammelt haben.

Auch Firmen haben das inzwischen erkannt und setzen unter anderem auf professionelles Wissensmanagement. Denn Wissen und Erfahrungen sind immer an den einzelnen Menschen gebunden und können nicht einfach so außerhalb von Menschen gespeichert werden. Dein Wissen und deine Erfahrungen machen dich somit einzigartig – auch auf dem Arbeitsmarkt. Manchmal stehen wir uns jedoch selbst im Weg diese Einzigartigkeit und das unfassbare Potenzial darin zu erkennen.

In diesem Artikel möchte ich deshalb über Wissen und Erfahrungen schreiben und wie du durchs Journalen dein volles Potenzial entfalten kannst.

Dein Potenzial: Du bist einzigartig!

Dein größtes Potenzial ist deine Geschichte. Denn durch deine Geschichte hast du ganz automatisch Wissen und Erfahrungen gesammelt. Und das in einer so einzigartigen Kombination, dass es keinen zweiten Menschen auf dieser Welt gibt, der das gleiche Potenzial in sich trägt wie du. Du bist einzigartig!

Menschen, die ihr wirkliches Potenzial erkennen, brauchen somit auch viel weniger Angst vor Konkurrenz zu haben, denn sie wissen, dass dieses spezielle Potenzial in ihnen liegt und es niemanden sonst gibt, der die gleichen Erfahrungen gemacht hat wie sie.

Möglicherweise ist dir dieses Potenzial noch nicht so richtig klar oder bewusst. Das könnte daran liegen, dass du dich noch nie ausgiebig mit deiner Geschichte beschäftigt hast und noch nie bewusst wahrgenommen hast, welcher Wert in deiner Geschichte steckt. Falls du jetzt denkst, dass in deiner Geschichte kein Potenzial steckt, lass diesen Gedanken sofort weiterziehen. In jeder Geschichte steckt ein einzigartiges Potenzial.

Die Frage ist nicht, ob ein Potenzial in deiner Geschichte steckt, sondern welches!

Der Umgang mit Wissen und Erfahrungen

Der Umgang mit Wissen und Erfahrungen ist gerade in unserer Zeit ein riesiges Thema. Die Medien unserer Zeit stellen uns eine Fülle an Informationen zur Verfügung, aber diese alleine sind noch kein Wissen. Hier ist es mir besonders wichtig, diesenUnterschied zwischen Informationen und Wichtig hervorzuheben. Informationen alleine sind meist leicht und durch sehr viele Kanäle verfügbar. Wissen wird es erst dann, wenn diese Informationen in einen Kontext eingebunden werden.

Wird Wissen angewandt – und das erstmal vollkommen unabhängig davon, ob erfolgreich oder nicht – kommt es zwangsläufig zu Erfahrungen. Diese sind weder gut noch schlecht. Es sind einfach Erfahrungen. Diese Erfahrungen sind in der Regel sehr individuell und schwer weiterzugeben. Deswegen macht es wirklich einen Unterschied, ob du etwas selbst erlebt und dabei deine Erfahrungen für dich mitgenommen hast oder ob du nur davon gelesen hast.

Auch große Firmen stehen vor der enormen Herausforderung das vielfältige Wissen aller Mitarbeiter zu managen. Denn auch Firmen müssen sich eingestehen, dass man Wissen und besonders das Wissen, das aus Erfahrungen gesammelt wird, schwer greifbar machen kann. Dieses Wissen nennt man übrigens implizites Wissen und es kann nur in Menschen, nicht aber auf Festplatten, in Wikis, Blogs oder Foren gespeichert werden.

Hier ein kleines Beispiel: Fahrrad fahren. Probiere jemandem, der nicht Fahrrad fahren kann alleine mit Worten das Fahrradfahren zu erklären. Gar nicht so einfach oder? Und selbst wenn dein Gegenüber deine Beschreibung versteht, so wissen wir beide, dass er danach nicht einfach so auf ein Fahrrad stiegen und los fahren wird. Dafür braucht es mehr!

Es macht also durchaus einen Unterschied, ob man etwas praktisch und durch eigene Erfahrungen gelernt hat oder nicht. Und zu diesen Erfahrungen gehören ganz klar auch Fehlversuche und vermeintliche falsche Entscheidungen, die du in der Vergangenheit getroffen hast. Wie schon gesagt, es gibt erstmal keine guten oder schlechten Erfahrungen. Eine Erfahrung ist eine Erfahrung und aus jeder Erfahrung lässt sich etwas lernen

Gerade Fehler sind etwas sehr wertvolles. Deswegen geht es auch nie darum keine Fehler zu machen, sondern darum aus ihnen zu lernen und sie somit als das anzunehmen, was sie sind: Helfer im Leben!

Wie du dein Potenzial in dir erkennst

Wie du siehst, liegt das größte Potenzial in deinem Leben bereits in dir, in deiner Vergangenheit und deinen Erfahrungen! Deine Aufgabe ist es, es zu finden. Das passiert meistens nicht ganz von alleine. Es ist Arbeit – aber sie lohnt sich auf jeden Fall.

Um das wirkliche Potenzial deines Wissens und deiner Erfahrungen zu erkennen, musst du reflektieren. Du musst zurückblicken und für dich erkennen, warum Dinge passiert, nicht passiert oder anders gekommen sind. Du musst einen achtsamen Blick haben und dich bewusst darauf einlassen.

Reflexion der Vergangenheit kann schmerzhaft sein – gerade bei sehr emotionalen und tief verletzenden oder erschütternden Erfahrungen. Sei dir bewusst, dass deine Vergangenheit vergangen ist und du jetzt in der Gegenwart lebst. In der Gegenwart entscheidest du, was du tun und lassen willst und musst keine Angst mehr vor den Erfahrungen deiner Vergangenheit haben.

Wie du dein Potenzial durchs Journalen entfaltest

Um deine Vergangenheit bewusst zu reflektieren, kannst du das Journalen sehr gut nutzen. Im Folgenden zeige ich dir drei Schritt, wie du das Journalen für deine persönliche Potenzialentfaltung einsetzen kannst:

1. Schritt: Sammeln

Es gibt Erfahrungen in unserem Leben, die uns sehr stark prägen, die immer wieder hochkommen oder uns zu einer entscheidenden Erkenntnis geführt haben. Das müssen überhaupt keine scheinbar großen und weltbewegende Momente sein. Oft sind es die ganz kleinen und scheinbar unbedeutenden Erfahrungen, die trotzdem sehr viel in uns bewegen oder bewegt haben.

Im ersten Schritt rate ich dir diese Momente aus deinem Leben zu sammeln. Nimm dir dafür ruhig ein paar Tage Zeit. Setze dich immer wieder hin und schreiben auf, was dir dazu einfällt. Beschreibe den Moment mit all deinen Gefühlen und Gedanken und vielleicht auch, was sich danach für dich geändert hat oder welche Auswirkungen dieser Moment noch heute auf dein Leben hat. Du kannst in Strichpunkten oder Fließtext schreiben. Wie es sich gut für dich anfühlt. Wichtig ist nur, dass du alles aufschreibst, was dir einfällt.

Fragen, die diese Aufgabe unterstützen können:

  • Welche Erfahrung/welchen Moment kannst du heute noch bildlich vor deinen Augen sehen?
  • Welche Erfahrung/welcher Moment in deinem Leben hat etwas in Bewegung gebracht in dir?
  • Nach welcher Erfahrung/welchem Moment hat sich dein Leben oder Teile deines Lebens komplett verändert?

Falls du bereits länger ein Journal führst, kannst du das an dieser Stelle ideal nutzen, um darin nach diesen Momenten zu suchen. Du wirst mit hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit etwas finden und hast vermutlich gleich sehr viel Input für die nächsten Schritte auf dem Weg zu deiner Potenzialentfaltung.

2. Schritt: Bewusst Wahrnehmen

Gib deinen Aufzeichnungen aus dem ersten Schritt ein bisschen Ruhe. Vielleicht reicht es eine Nacht darüber zu schlafen, vielleicht möchtest du sie aber auch eine Woche beiseite legen. Schau, was dir gut tut. Je nachdem, welche Erfahrungen du bereits gemacht hast und wie stark dich diese emotional aufwühlen, brauchst du möglicherweise Zeit, um die nächsten Schritt zulassen zu können.

Wenn du deine Notizen genug Ruhe gegeben hast, nimm sie wieder hervor und lies sie nochmal aufmerksam durch. Fühlt es sich anders an als in dem Moment, in dem du sie aufgeschrieben hast? Falls du mehrere sehr bewegende Momente notiert hast, ist es das beste, sich zunächst auf ein Ereignis oder einen Moment aus deiner Vergangenheit zu konzentrieren. Nimm dir eine Erfahrung aus deiner Sammlung heraus, um mit dieser weiterzuarbeiten.

In weiteren Durchläufen kannst du die folgenden Schritte dann auch für die anderen Erfahrungen, die du notiert hast, anwenden. Bleib aber vorerst bei einer Erfahrung.

Lass diesen Moment noch einmal vor deinem inneren Auge ablaufen und versetze dich nochmals ganz bewusst in die Szene. Beantworte dir danach folgende Fragen schriftlich:

  • Welche Rolle spielst du in deiner Erinnerung an diesen Moment in dieser Situation? Bist du in der Opferrolle? Bis du in der Heldenrolle?
  • Wie fühlt sich dieser Moment für dich an? Fühlest du dich hilflos, mächtig, stark, schwach, überwältigt, ohnmächtig, alleine, anders, komisch, unwohl, einsam, geliebt, selbstbewusst, getragen, sicher, ausgegrenzt …?
  • Wie hat dieser Moment dein Leben beeinflusst? Was hat sich danach geändert? Wie hast du dich durch diesen Moment geändert?

Es ist wichtig, dass du diese Fragen unbedingt schriftlich beantwortest! Denn dann wird deine Arbeit an dir einen viel höheren Effekt auf dein Leben haben.

3. Schritt: Transformieren

Nach dem du deinen Moment und auch seine Auswirkungen auf dein Leben noch einmal bewusst wahrgenommen hast, geht es darum das Potenzial, das in diesem Moment steckt wirklich zu begreifen. Falls du nach der Arbeit im zweiten Schritt erneut Zeit brauchst, um alles zu verarbeiten, gib dir so viel Zeit, wie du brauchst.

Nimm dir anschließend alle deine Aufzeichnung, die du aus den ersten beiden Schritten gesammelt hast und beantworte schriftlich folgende Fragen dazu:

  • Welche blockierenden Glaubenssätze sind durch diesen Moment in deinem Leben entstanden? Wie hat dieser Moment dafür gesorgt, dass du dich klein, unbedeutend oder nicht voll in der Kraft fühlst?
  • Welche Erkenntnisse hat dir dieser Moment/diese Erfahrung für dein Leben gebracht?
  • Was hast du in diesem Moment gelernt?
  • Welcher Mensch bist du heute durch diese Erfahrung?

Sieh dich selbst als Held deiner Geschichte – ganz egal, welche Erfahrung du gemacht hast. Welche Bedeutung hätte dieser Moment deiner Geschichte für den Helden dieser Geschichte? Welche Stärke und welches Potenzial kannst du als Held deiner Geschichte daraus für dich mitnehmen?

Kommentiere gerne unter dem Beitrag, was deine größten Learnings waren: Was hast du durch deine Erfahrungen gelernt?

 

Falls dir das Schreiben zu den oben genannten Fragen bereits erste Erkenntnisse bringt, probiere es doch auch mal intuitiven Schreiben oder baue dir eine wundervolle Journal-Routine auf!