(Foto: Tobias Leitenstern)

Viele erfolgreiche Menschen, nennen als einen Grund für ihren Erfolg, ihre Mentoren. Auch ich kann diese Aussage nur bestätigen. Jetzt fragst du dich: Was ist eigentlich ein Mentor? Wie sieht ein Mentoring aus? Und warum ist das alles so wertvoll?

Ich selbst beschäftige mich schon einige Zeit mit diesem Thema und habe im letzten Jahr ein sehr intensives Projekt dazu gestartet. Dazu teilen meine Mentoring-Partnerin und ich jede Woche die Einträge unserer intuitiven Journals. Hier möchte vor allem meine gewonnenen Erfahrung und Erkenntnisse zum Thema Mentor mit dir teilen und lade dich herzlich dazu ein, dass du darin deine eigenen Antworten auf deine Fragen rund um Mentoren findest.

Was ist ein Mentor?

Ein Mentor ist ein Begleiter auf dem Weg zum Wachstum. Die größte Fähigkeit von Mentoren besteht darin, Menschen dort abzuholen, wie sie gerade stehen und sie von dort an den Rand ihrer Erfahrungen, den Rand ihrer Komfortzone zu bringen. Denn Wachstum beginnt jenseits der Komfortzone. Ein Mentor hilft dir dich voller Vertrauen und Geborgenheit wieder mit der eigenen Wildheit, Natürlichkeit und Freiheit zu verbinden.

Besonders bekannt ist die Rolle des Mentors aus der Arbeitswelt. Hier gibt es immer häufiger Business- und Karriere-Mentoren, die andere – meist jüngere – Mitarbeiter auf dem eigenen Karriereweg oder dem Weg ins eigene Business begleiten und unterstützen. Die Aufgabe des Mentors ist dabei seine Erfahrungen und sein über die Jahre gesammelte Wissen zu teilen, mit Rat zur Seite zu stehen und Kontakte zu anderen wichtigen Geschäftspartnern zu vermitteln.

Das Bild des Business-Mentors ist aber nur eine Facette des großen Begriffs „Mentor“. Mentoren können auch an ganz anderen Stellen und zu ganz anderen Angelegenheiten in unser Leben treten oder für uns wichtig sein. Ein Mentor kann uns in ganz unterschiedlichen Themen oder Lebensbereichen unterstützen, sein wertvolles Wissen mit uns teilen oder auf Grund seiner Erfahrungen als Vorbild für uns dienen.

Beispielsweise suchen viele Frauen, die gerade Mutter geworden sind, den Austausch mit erfahren Müttern, die sie mit Rat und Erfahrungswerten in ihren neuen Aufgaben unterstützen können. Auch im Sport lernen wir oft von denen, die bereits mehr Erfahrung und Übung haben als wird. Oder zum Beispiel für das Etablieren von neuen Routinen kann ein Mentor uns begleiten.

Ein Mentor muss nicht zwangsläufig eine Person sein, die wir für ihre Unterstützung engagiert haben oder bezahlen. Mentoren können auch Personen aus unserem persönlichen und privaten Umfeld sein. Manchmal erkennen wir diese Mentoren auf den ersten Blick gar nicht als solche oder aber sie entwicklen sich erst über Jahre hinweg dazu.

Wo finde ich einen Mentor?

Vermutlich hast du bereits einige deiner Mentoren getroffen. Möglicherweise hast du das nur (noch) nicht bemerkt. Mentoren sind nicht immer „angenehme“ Menschen, die uns gut zureden und alles loben und für gut heißen, was wir tun. Mentoren können auch Menschen sein, die dein Leben so richtig aufwühlen, alles einmal umschmeißen, dich an den Rand deines Verstands bringen und für absolute Verwirrung sorgen.

Ein sehr sicheres Zeichen für Mentoren in unserem Leben sind Punkte, an denen wir gewachsen sind. Wir wachsen aber nun mal nicht durch Friede-Freude-Eierkuchen. Für Wachstum braucht es immer einen Stretch zwischen Gewohntem und Neuen, zwischen Entspannung und Anspannung, zwischen Können und Herausforderung. Deswegen sind Mentoren häufig auch Menschen, die uns aus unserem gewohnten Umfeld geschickt herausführen, so dass wir es manchmal gar nicht merken. Oder Personen, die uns fordern, herausfordern und dabei immer im Hintergrund bleiben, falls wir Fragen haben oder Hilfe brauchen.

Vermutlich wirst du einige Mentoren also ganz automatisch in deinem Umfeld identifizieren, jetzt wo du weißt, worauf du achten musst. Falls nicht, schau einfach, ob sich in den kommenden Wochen nicht eine Person als Mentor entpuppt.

Eine andere Form des Mentors sind Personen, die uns inspirieren. Inspirieren selbst zu wachsen, uns weiterzuentwickeln und mehr und mehr zu uns selbst zu werden. Diese Personen müssen wir oft gar nicht im engsten Umfeld haben. Das können auch Personen sein, denen du auf Instagram folgst, weil sie dich inspirieren, Menschen, deren Werke, wie Gemälde, Bücher oder Blogs, dich begeistern oder Personen, die extreme Sportarten betreiben und dich daran erinnern mutig zu sein und beherzt loszugehen.

Wir können diese Personen meistens nicht direkt ansprechen und nach Rat fragen, aber wir können Sie vor unserem inneren Auge visualisieren und uns klar machen, was sie uns raten würden. Das ist übrigens eine sehr hilfreiche Methode, wenn man schnelle Hilfe braucht, weil man sich zum Beispiel zeitnah entscheiden muss.

Neben diesen Mentoren im erweiterten persönlichem Umfeld, gibt es natürlich auch immer die Möglichkeit Menschen, die einen inspirieren, die Experte sind auf einem für die relevanten Thema oder Coaches, einfach anzusprechen und zu fragen, ob sie nicht dein Mentor sein möchten.

Warum ist ein Mentor so wertvoll?

Bei einem Mentoring entsteht genau das, was man Wachstum durch Verbundenheit und Verbundenheit durch Wachstum nennt. Wir lernen durch eine tiefe, ehrliche und offene Beziehung auf Basis von Vertrauen. Denn um dem Rat des Mentors zu folgen, müssen wir ihm vertrauen, dass auch er die für uns besten Absichten hat. Gleichzeitig stärkt und vertieft sich die Beziehung zwischen Mentor und Mentee durch das Wachsen, Lernen und das Erkennen, dass das Vertrauen richtig war.

Ein Mentoring ist eine wunderbare Form, den Einklang und die Balance zwischen Wachstum und Verbundenheit zu leben. In diesem Prozess können wir am eigenen Leib erfahren, dass es wahr ist, dass sowohl Wachstum als auch Verbundenheit nur zusammen und im Einklang mit dem jeweils anderen zur vollen Entfaltung kommen.

Wirklich gute und bereichernde Mentor-Mentee-Beziehungen halten viele Jahre oder sogar ein Leben lang. Es gibt erfahre Manager, die bei schwierigen Entscheidungen nach wie vor eine vertraute Person – einen jahrelangen Business-Mentor – zu Rate ziehen.

Wie sieht ein Mentoring aus?

Ein Mentoring kann so unterschiedlich aussehen, wie all die Gesichter der Menschen auf dieser Erde. Das können tägliche, wöchentliche, monatliche oder jährliche Treffen sein, bei denen man sich bespricht, Fragen klärt und Probleme erörtert. Diese Treffen können virtueller Art oder persönlich stattfinden. Ein Mentoring kann aber auch ein Spaziergang mit einem engen Freund sein, der einem achtsam zu hört und anschließend Impulse gibt für neue Gedanken oder einen Perspektivenwechsel.

Ein Mentoring kann genau so schriftlich in der Form eines Journals stattfinden – dazu berichte ich in diesem Beitrag von meinen eigenen Erfahrungen. Hier muss jeder seine Form finden, die sich gut und stimmig anfühlt. Alles kann, nichts muss. Entscheidend ist jedoch, dass ein Mentoring eine langfristige Beziehung ist, mit dem Ziel Wachstum und persönliche Entwicklung zu unterstützen.

Häufig entsteht auch das Bild, dass der Mentor in dieser Beziehung ein allwissender, weiser Mensch ist, der in jeder Lebenslage die richtige Lösung kennt. Das stimmt so natürlich nicht. Meiner persönlichen Erfahrung nach ist es sogar so, dass sich die Rollenverteilung von Mentor und Mentee tauschen kann. So können in einer Mentoren-Beziehung beide Partner Mentoren und Mentee zu gleich sein – möglicherweise nur zu unterschiedlichen Lebensthemen oder in unterschiedlichen Entwicklungsphasen oder Lebensabschnitten.

Bestimmt gibt es ein paar Mentoren in deinem Leben, die dein Leben lang Mentor für dich bleiben ohne dass du ein Mentor für sie bist. Das klassische Bild eines Business-Mentors ist zum Beispiel so ein Fall. Dennoch denke ich, dass die viel häufigere und alltäglichere Form einer Mentoren-Mentee-Beziehung sich so gestaltet, dass beide sowohl Mentor als auch Mentee sind. Vielleicht macht es auch das manchmal so komplex, unsere Mentoren zu erkennen. Weil wir die Erwartung haben, dass Mentoren Menschen sind, die immer Rat wissen, immer weiter sind als wir und alles schon kennen.

Mentoring-Stile

In der Wildnispädagogik nach Jon Young werden drei Stile des Mentorings unterschieden: didaktisch, fragend und tricksend/verwandelnd. Die Beispiele, die ich im folgenden erwähne sind aus einem Mentoring-Projekt entstanden. Das Projekt selbst beschreibe ich nächste Woche in einem Beitrag.

Didaktisch

Beim didaktischen Mentoring-Stil werden vor allem Informationen aufbereitet und weitergegeben. Dem Mentee wird also alles an Informationen präsentiert, was der Mentor als relevant für ihn erachtet.

Manchmal lese ich aus dem intuitiven Text meiner Mentoring-Partnerin raus, dass sie ein bestimmtes Thema beschäftigt, zum Beispiel die Verbindung zwischen Frau und Mond. In meinem Feedback an sie, schreibe ich dann einfach alles, was ich so zu dem Thema an Informationen gesammelt habe. Was sie davon annimmt, für sich umsetzt oder in ihren Wachstumsprozess einfließen lässt, ist allein ihr Sache. Ich stelle die Informationen, die ich habe lediglich zur Verfügung – am besten in der Form, die ich für sie am verständlichsten halte.

Fragend

Wie der Name schon vermuten lässt, geht es in diesem Mentoring-Stil darum Fragen zu stellen. Das wirkt zum Beispiel besonders gut, um Interesse bei dem jeweils anderen zu wecken, ihn zum Nachdenken anzuregen oder ihm eine neue Perspektive zu eröffnen.

Im Feedback an meine Mentoring-Partnerin stelle ich oft Fragen. Manchmal weil ich Dinge nicht verstehe, die sie mir beschreibt. Oder ich gerne mehr wissen wollen würde. Manchmal sind es aber auch Fragen, die ich einfach so in den Raum werfe, ohne darauf wirklich eine Antwort von ihr zur erwarten. Es sind eher Fragen, die uns beide zum Nachdenken anregen und einen inneren Prozess anstoßen.

Tricksend/verwandelnd

Der dritte Mentoring-Stil wird in der Wildnispädagogik als der tricksende oder verwandelnde Mentoring-Stil bezeichnet. Hier geht es darum, dass wir nicht missionieren können und sollten. Es hat keinen Sinn einen anderen mit Informationen oder Fragen zu einem Thema zu überhäufen, wenn er offensichtlich nicht bereit ist diese anzunehmen. In diesem Fall müssen wir tricksen und ein bisschen mit der „Magie der Verwandlung“ spielen, um die Aufmerksamkeit des anderen zu bekommen.

Bei diesem Mentoring-Stil braucht es viel Empathie, Einfühlungsvermögen und eine gute Beobachtungsgabe. Denn wir müssen uns wirklich in den anderen reindenken. Wir müssen versuchen zu verstehen, was ihn beschäftigt, was ihn antreibt und wo wir ansetzen können, um die Aufmerksamkeit, das Interesse oder die Begeisterung zu wecken. Manchmal hilft in solchen Situationen auch ein Überraschungsmoment.

Die Balance zwischen Wachstum und Verbundenheit

Ein Mentoring ist eine der wundervollsten Formen, um Wachstum und Verbundenheit in Einklang zu bringen, um Beziehungen zu vertiefen und sich gleichzeitig zu entfalten. Es ist eine absolut inspirierende Erfahrung, bei der wir spüren dürfen, dass Wachstum und Verbundenheit zusammen möglich sind. Und nicht nur das: Wir lernen auch, dass Wachstum und Verbundenheit auf ganz natürliche Art und Weise zusammen gehören.

Wie du jetzt anfangen kannst?

  • Vertiefe die Beziehung zu Menschen, die dir wichtig sind.
  • Fange an dir selbst und anderen Raum zum Wachsen zu geben. Erlaube dir und anderen sich zu entfalten.
  • Suche Menschen, die dich inspirieren, dich begeistern und deren Botschaften mit dir in Resonanz gehen. Verbinde dich in irgendeiner Form mit diesen Menschen.
  • Beobachte achtsam, welche Menschen bereits eine Mentoren-Rolle in deinem Leben haben oder hatten.
  • Und im Zweifel: Frage die eine Person, an die du jetzt denkst, ob sie dein Mentor sein möchte! Du hast nichts zu verlieren.

 

 

Wenn du mehr zum Thema intuitives Schreiben/Journalen wissen möchtest: Was ist intuitives Schreiben und wie du es für dich nutzen kannst

Wenn du mehr über mein eigenes Mentoring-Projekt lesen willst: coming soon – nächste Woche