Möglicherweise bist du hier auf meinem Blog schon mal über die Aussage gestolpert, dass du deine Journal-Routine mindestens vier Wochen durchhalten sollst. Jetzt fragst du dich vielleicht: Warum genau vier Wochen? Dafür gibt es einen einfache Grund: deinen weiblichen Zyklus.

Alle Frauen – egal ob sie ihre Menstruation noch bekommen oder nicht – sind zyklische Wesen. Sie durchlaufen einen Zyklus. In der Regel dauert dieser Zyklus zwischen 24 und 32 Tage. Also grob etwa vier Wochen. Während diesem Zyklus erleben wir ganz unterschiedliche Phasen und Energien, die von unserem Zyklus ausgehen. Die Menstruation ist eine Phase davon und die, die vermutlich den meisten bekannt ist, auch wenn sie sich bis jetzt eher wenig mit dem weiblichen Zyklus beschäftigt haben.

In diesem Artikel möchte ich dir zeigen, warum es so wichtig ist bei deiner Journal-Routine unbedingt alle Phasen deines Zyklus erlebt zu haben.

Wie dein Zyklus dein Schreiben beeinflusst

Der weibliche Zyklus ist ein wunderbares Spiegelbild der Natur. Deswegen lassen sich auch alle Jahreszeiten im weiblichen Zyklus wiederfinden. Dein Zyklus lässt sich also in Frühling, Sommer, Herbst und Winter aufteilen. Und genauso wie die Jahreszeiten unterschiedliche Stimmungen bei dir auslösen und Einfluss nehmen auf dich, deine Gedanken und deinen Körper, tut es auch dein Zyklus mit seinen unterschiedlichen Phasen.

Auch dein Schreiben wird durch deine einzeln Zyklusphasen beeinflusst. Wenn du deine Journal-Routine über einen längeren Zeitraum hinweg achtsam verfolgst, wirst du merken, dass es dir an manchen Tagen zum Beispiel leichter fällt zu schreiben. Oder bestimmte Themen sehr präsent sind, während du sie an anderen Tagen überhaupt nicht erwähnst. Du wirst merken, wie deine Stimmungen, deine Sinneswahrnehmungen und deine Art beispielsweise Probleme und Konflikte zu betrachten sich über deinen Zyklus hinweg wandelt.

Manchmal müssen wir zurückblicken, um den Weg zu erkennen

Manchmal merken wir diese kleinen, feinen Veränderungen beim Schreiben selbst noch gar nicht, können sie aber im Nachgang beim Lesen feststellen. Selbst wenn du dich beim Schreiben überhaupt nicht durch deinen weiblichen Zyklus beeinflusst fühlst und auch anschließend beim Lesen nichts feststellen kannst, kannst du nach vier Wochen durchgehaltener Routine zumindest die Aussage treffen, dass dein Zyklus deine Journal-Routine nicht beeinflusst. Und auch diese Aussage ist wertvoll, weil es eine Beobachtung zu dir selbst ist. Wodurch du dich selbst bewusster wahrnimmst und somit selbst-bewusster wirst.

Das Ziel deiner Journal-Routine ist vermutlich auch mehr als das Schreiben des Schreibens Willen. Ich vermute jetzt einfach mal, dass du damit an dir arbeiten möchtest, dich selbst besser kennen lernen willst und ein gesundes und authentisches Selbstbewusstsein aufbauen möchtest. Denn sonst wärst du ja nicht hier. Dein Zyklus ist ein Teil von dir, denn wie eingangs schon erwähnt, sind alle Frauen zyklische Wesen – ganz egal in welchem Rhythmus, ob mit Menstruation oder nicht. Wenn du also gerade an dir arbeitest, sei dir bewusst, dass dein Zyklus zu dir gehört und es nicht schaden kann auch ihn besser kennenzulernen.

Fazit: Halte vier Wochen durch – ich meine das ernst 😉

Die vier Phasen des weiblichen Zyklus und ihre Energien

Falls du jetzt noch gar nichts von den Phasen des weiblichen Zyklus gehört hast und das alles absolutes Neuland für dich ist, keine Angst. Du musst kein Zyklus-Experte sein. Im folgenden geben ich dir einen kurzen Überblick über die vier Phasen des Zyklus und wie sich diese möglicherweise auswirken können. Das heißt nicht, dass sie das bei dir zwangsläufig tun müssen. An dieser Stelle mein Lieblingssatz: Jede Frau ist einzigartig.

Genauso sind es auch die einzelnen Zyklusphasen und wie du diese erlebst. Möglicherweise kannst du dich aber in der ein oder anderen Beschreibung wieder finden oder du achtest in den kommenden Wochen einfach mal bewusst darauf, ob und wie du diese Phasen bei dir entdecken kannst.

1. Zyklusphase: Der Winter

Wie auch das Kalenderjahr beginnt der weibliche Zyklus mit dem Winter. Der Winter steht für die menstruelle Phase – die Phase, in der du deine Menstruation hast. Meine Yogalehrerin sagt immer, der Yogi beginnt mit einer Pause. Ich denke immer wieder über diesen Satz nach und kann ihn immer häufiger in der Natur wieder finden. Zum Beispiel in den Jahreszeiten oder im weiblichen Zyklus. Der Winter steht nämlich für eine Pause. Vielleicht ist es also kein Zufall, dass sowohl der Zyklus als auch das Jahr mit dem Winter beginnen.

Die meisten Frauen merken sehr intuitiv, dass auch ihr Körper in dieser Phase schwächer und müder ist und sich eine Pause wünscht. Genau so wie das bei vielen Menschen im Winter der Fall ist. Neben der Ruhe und Entspannung ist in dieser Zeit aber auch die Reflexion und das In-Sich-Gehen sehr präsent. In vielen Büchern (wie zum Beispiel auch roter Mond von Miranda Gray) wird beschrieben, wie wir gerade in dieser Zeit einen sehr guten Zugang zur eigenen Intuition und unserer inneren Weisheit haben.

Die Menstruation ist durchaus eine Zeit, deren Wert wir Frauen wieder zu schätzen lernen dürfen. Oft sind wir der Meinung, dass die monatliche Blutung etwas anstrengendes und negatives ist, das uns in Konkurrenz zu Männern schwach wirken lässt. Dieses Bild entsteht aber nur, weil wir vergessen haben uns die positiven und wundervollen Aspekte dieser Zeit zu erinnern.

Journalen im Winter

Die Zeit der Menstruation ist eine sehr kraftvolle Zeit für das Journalen, in der wir unserer Seele und der inneren Stimme viel Weisheit und Wahrheit über uns selbst entlocken können, wenn wir aufmerksam zuhören. Das Schöne ist, Journalen ist körperlich nicht anstrengend und so können wir das reflektierte Schreiben gut mit der Pause zum Start in unseren Zyklus verbinden. Ich lade dich sehr herzlich ein diese Zeit als eine ganz besondere Zeit zur Reflexion anzuerkennen und wieder viel mehr zu genießen.

Themen und Energien im Winter: Loslassen, Reinigung, innere Weisheit, Wahrheit, alte Glaubenssätze, die aufgelöst werden möchten

2. Zyklusphase: Der Frühling

Der Frühling ist die zweite Phase im Zyklus. Er beginnt, wenn der Körper nach der Reinigung und des Loslassens nach und nach wieder kräftiger wird und neue Energie sammelt. Körperlich ist das die Zeit vor deinem Eisprung. Die Zeit der Ruhe und Stille ist beendet und das Leben fließt wieder durch uns. In dieser Zeit fühlen wir uns oft jung und frisch. Der Archetyp dieser Phase ist deshalb auch die Jungfrau – zart, jung und wunderschön.

Der Frühling ist auch im Jahreskreis eine Zeit der Leichtigkeit, des Neuanfangs, der Freude und der aufblühenden Schönheit. Genauso auch im weiblichen Zyklus. Mit Freude und Leichtigkeit gehen wir neue Dinge in unserem Leben an, beginnen die Veränderungen aus dem letzten Herbst umzusetzen und unsere tiefen Gedanken des Winters zu manifestieren und in die Welt zu bringen.

Journalen im Frühling

Im Frühling kann es sein, dass du Hummeln im Hintern bekommst und direkt durchstarten möchtest. Die ein oder andere merkt möglicherweise, dass die Zeit der tiefen Reflexion nun vorbei ist und fragt sich, warum sie beim Journalen nicht mehr diese Tiefe erreicht. Doch es lohnt sich trotzdem dran zu bleiben und auch in dieser Zeit die eigene Journal-Routine bewusst und konsequent weiterzuführen, auch wenn die Zeit der körperlichen Ruhe nun vorüber ist.

Die Jungfrau im Frühling kann voller Ideen und Wünsche sein, doch noch ist sie nicht in ihrer vollen Kraft, die sich bis zum Sommer nach und nach aufbaut. Im Journalen spiegelt sich das oft dadurch wieder, dass wir Pläne und Veränderungswünsche für die Zukunft notieren. Manchmal aber auch Angst und Sorgen zu diesen Plänen beschreiben, weil uns der Weg dorthin so endlos weit erscheint.

Themen und Energien im Frühling: Aufbruch, Beginn, Neuanfang, Leichtigkeit, Schönheit, Motivation, Angst vor dem Neuen, leichte Überforderung, Pläne, Neues, Jugendlichkeit

3. Zyklusphase: Der Sommer

Der weibliche Sommer ist die Zeit um unseren Eisprung. Das ist die Zeit, in der wir Frauen oft in unsere volle Kraft kommen. Wie die Natur, die im Sommer ihren Reichtum an Früchten präsentiert, erstrahlen wir in Fülle. Es ist eine Zeit, in der wir vor Kraft so erfüllt sind, dass wir gerne geben. Deswegen wird diese Phase auch oft die Zeit der gebenden Mutter beschrieben. Wir sind so erfüllt von der Quelle in uns selbst, dass wir keine Bestätigung im Außen suchen und frei und von Herzen gerne geben.

Zu diesen Gefühlen der Fülle und Kraft können sich aber auch erste Anzeichen des Herbst mischen. Wir erkennen, dass wir immer im Fluss sind und dass nach dem Sommer auch wieder der Herbst und der Winter kommen. Im ewigen Kreis wissen wir, dass auch der Sommer nicht von ewiger Dauer ist. Das kann unter anderem auch Trübsal und leichte Traurigkeit auslösen.

Journalen im Sommer

Möglicherweise ist der Sommer eine Zeit, in der dir das Journalen leicht und unbeschwert von der Hand geht. Du hast das Gefühl ausgeschlafen zu sein und genügend Kraft und Zeit für dich selbst zu haben. Das kann deine Journal-Routine sehr positiv unterstützen.

Ich denke aber, es ist auch wichtig zu erkennen, dass nicht jeder Sommer gleich ist. Manche Sommer sind zu trocken oder es regnet zu viel. Auch dein innerer Sommer wird von verschiedenen äußeren Faktoren beeinflusst. Sei also nicht enttäuscht oder mache dir selbst Vorwürfe, wenn diese Zeit nicht von übersprudelnder Kraft und wundervollen Journal-Einträgen geprägt ist. Möglicherweise liegt die größte Fülle an Früchten in diesem Sommer in einem anderen Lebensbereich.

Themen und Energien im Sommer: Eisprung, gute Mutter, nährend, voller Energie, Schöpferkraft, Geben, Lieben, Fülle, Reife

4. Zyklusphase: Der Herbst

Im Herbst beginnt der Körper sich nach und nach auf die nächste Menstruation und damit auf die kommende Phase der tiefen Reflexion und des Loslassens vorzubereiten. Der Eisprung ist vorbei und wir fühlen uns manchmal ein bisschen „überreif“ – ich vergleiche das manchmal mit einer sehr reifen Mango. Die Kraft fließt langsam aber kontinuierlich wieder aus unserem Körper und wir werden eingeladen uns wieder mehr nach innen auszurichten.

Für viele Frauen ist diese Phase des Zyklus mit vielen Hochs und Tiefs verbunden. Die Hormone in unserem Körper spielen ein bisschen verrückt. Wenn wir ein Thema haben, dass sich durch unseren ganzen Zyklus zieht, erlebt es im Herbst sein Endstadium bevor wir es loslassen dürfen. Der Herbst ist oft geprägt von tiefen Emotionen, Launen, tiefer Leidenschaft, Kreativität, Ideen, aber auch Unzufriedenheit und Zerstörung.

Ich kenne einige Frauen, die besonders diese Unzufriedenheit in sich ablehnen oder Angst vor der zerstörerischen Kraft haben. Sie wollen ausgeglichen und in Balance sein, am liebsten den ganzen Zyklus hindurch. Aber so funktioniert das nicht. Unzufriedenheit ist oft der beste Antrieb für Veränderung, wenn wir sie richtig einsetzen und uns nicht in Selbstmitleid verlieren. Genau so ist Zerstörung immer wieder wichtig, um Neues entstehen zu lassen. Nimm diese Energien in dir also sehr gerne an. Das heißt nicht, dass du Teller und Tassen zerschmeißen musst. Aber beachte sie und schon wirst du merken, wie du ausgeglichener und ruhiger wirst.

Journalen im Herbst

Im Herbst ist es absolut ratsam deine tiefen Emotionen, deine Kreativität, deine Ideen, deine Leidenschaft, deine Unzufriedenheit und auch den Drang nach Veränderung und Zerstörung zu reflektieren. Du wirst merken, wenn du diesen Dingen einen Platz in deinem Journal gewährst und sie damit annimmst, wird dein Alltag leichter. Diese Emotionen und Gedanken wollen vor allem eins, gesehen und angenommen werden. Wenn du sie immer wieder unterdrückst, deine Unzufriedenheit nicht ernst nimmst und auch dem Drang nach Veränderung nicht nach gibst, werden sie sich nur jedes Mal deutlicher zeigen.

Das Schreiben im Herbst kann deshalb ganz unterschiedlich ausfallen. Es können sehr wilde, emotionale und aufbrausende Texte entstehen. Es kann schwierig sein, an manchen Tagen vor lauter Auf und Ab, den Einsteig zu finden. Es könne Zweifel und Unlust aufkommen. Möglicherweise ist das Journalen verwirrend für dich, weil du schon nach dem Schreiben nicht mehr verstehen kannst, was das sollte, was du da aufgeschrieben hast. Umso wichtiger ist es, all das festzuhalten und in einer Zeit, in der du Ruhe, Kraft und Fokus hast, dich mit diesen Texten bewusst zu befassen und darin zu erkennen, was dir deine Emotionen und Gedanken sagen wollen.

Themen und Energien im Herbst: Kreativität, Ausbruch, Zerstörung, Veränderung, Unzufriedenheit, Auf und Ab, Wild-Sein, Freiheit, Verwirrung, Sturm

Du bist einzigartig

Viel wichtiger als diese Phasen genau zu kennen, ist es deinen eigenen Zyklus an dir selbst zu beobachten. Mach dir dein eigenes Bild von deinem Zyklus. Das kannst du zum Beispiel sehr schön mit einem Mond-Zyklus-Journal machen. Wie das funktioniert, erkläre ich in dem Artikel Wie du die Frau in dir durch ein Mond-Zyklus-Journal besser kennenlernst. Ein Mond-Zyklus-Journal bietet dir eine wunderbare Möglichkeit dich, deine Weiblichkeit und deinen Zyklus intensiv zu entdecken und dich selbst in deinem eigenen Rhythmus zu entfalten.

Wenn du gerne mehr über den weiblichen Zyklus lernen willst, kann ich das Buch Roter Mond von Miranda Gray nur wärmsten empfehlen.

Mein Fazit zum Schluss: Damit deine Journal-Routine also wirklich zu dir passt, sollte sie auch in jeder deiner Zyklusphasen zur dir passen und durchführbar sein. Deswegen liegt es mir so am Herzen, dass du eine neue Routine mindestens vier Wochen auf Herz und Nieren testest. Eine Woche kann möglicherweise sehr wenig aussagekräftig sein. Freu dich lieber auf vier Wochen voller Vielfalt und Überraschungen!

Wenn du wissen willst, wie du dir deine Journal-Routine aufbaust, die zu dir passt, ließ hier mehr dazu.