Bestimmt bist du auch ein Mensch, der sich in der Natur so richtig wohl fühlt. Aber wie ist das zu Hause? Fühlst du dich da auch wohl oder fast ein bisschen eingeengt oder sogar eingesperrt? Kannst du vielleicht manchmal gar nicht so richtig entspannen? Sitzt du häufig im Home Office und schaust wehmütig nach draußen? Hast du Sehnsucht nach mehr Natur? Dann probiere doch mal, die Natur zu dir nach Hause zu holen. Du wirst sehen, was für einen riesigen Unterschied das macht.
 

Warum du die Natur zu dir nach Hause holen solltest

 
Es gibt sehr viele Gründe, die dafür sprechen die Natur zu uns nach Hause zu holen und unsere Räume biophiler zu gestalten. Denn durch biophile Gestaltung schaffen wir uns Räume, die wieder mehr unseren natürlichen Lebensräumen entsprechen.
 
In der urbanen Welt leiden wir häufig an Reizüberflutung. Die Reize, die im urbanen Umfeld auf uns wirken, sind in der Regeln künstliche Reize. Auch in der Natur wirken Reize auf uns, aber hier handelt es sich um natürliche Reize. Unser Körper ist seit vielen tausend Jahren darauf angepasst, genau diese Reize zu empfangen und zu interpretieren. Deswegen fühlen wir uns in der Natur auch so wohl. Wir fühlen uns zu Hause. Denn die Natur ist unser zu Hause.
 

Die Wirkung biophiler Räume

 
Naturnah gestaltete Räume fördern deshalb nicht nur unsere Gesundheit, weil sie unser Immunsystem stärken, sie schaffen auch einen Raum, in dem wir uns erholen können und auf lange Sicht nicht ausbrennen. Studien von Interface in Zusammenarbeit mit Oliver Heath haben ergeben, das biophil gestaltete Räume unser Wohlbefinden um bis zu 15 Prozent steigern.
 
Das ist aber noch nicht alles. Die Studien haben weiter ergeben, dass biophile Räume uns auch durchschnittlich sechs Prozent produktiver und sogar 15 Prozent kreativer machen. Auch in Gedächtnistest zeigen wir eine gesteigerte Leistung zwischen zehn und 25 Prozent.
 
Ich persönlich glaube, dass das erst der Anfang ist. Wir können es vielleicht noch nicht wissenschaftlich belegen, wie viel mehr positive Effekt die Natur auf uns hat, aber wir können es doch bereites spüren. Ich bin mir sicher, du weißt, wovon ich rede.
 

Wie du die Natur in fünf Schritten zu dir nach Hause holst

1. Dein Lieblingsplatz in der Natur 
 
Wo ist dein Lieblingsplatz in der Natur? Für den ersten Schritt ist es am besten, wenn du direkt an deinen Lieblingsplatz in der Natur gehst. Falls du mehrere Plätze hast, nimm einfach einen, an dem du dich besonders wohlfühlst. Du kannst diese fünf Schritte natürlich auch mehrmals machen und jedesmal einen anderen Platz nehmen.
 
Wenn du deinen Lieblingsplatz aktuell nicht besuchen kannst, ist das auch kein Problem. In diesem Fall suchst du dir am besten einen ruhigen Platz, an dem du dich wohlfühlst und für ein paar Minuten ungestört bist. Atme hier ein paar Mal tief durch, schließe die Augen und stelle dir vor, an deinem Lieblingsplatz in der Natur zu sein.
 
Egal, ob du dich nun physisch oder in deiner Vorstellung an deinem Lieblingsplatz befindest, komm an diesem Ort an. Nimm dir Zeit. Du kannst deine Augen schließen oder offen lassen. Hier kommt es im Verlauf der nächsten Schritte drauf an, was für ein Typ du bist und welche Sinne, du am intensivsten wahrnimmst. Am besten ist, wenn du beides für dich ausprobierst. Schau, womit du dich heute am besten fühlst. Das kann sich auch von Tag zu Tag ändern.
 
Gib dir auf jeden Fall ein paar Momente, um an deinem Platz so richtig anzukommen.
 

2. Die Umgebung wahrnehmen

 
Wenn du an deinem Platz angekommen bist, beginne deine Umgebung wahrzunehmen. Das kannst du entweder auf eine sehr intuitive oder auf eine sehr systematische Weise machen. Wenn du dir schwer tust, den Alltag und deine Gedanken loszulassen und so immer wieder abgelenkt wirst, empfehle ich dir deine Umgebung systematische wahrzunehmen.
 

Leitfaden zum Wahrnehmen der Umgebung

Um deine Umgebung voll und ganz wahrzunehmen, empfehle ich dir, dich jeweils auf einen deiner Sinne zu konzentrieren und dabei alle deine Sinne nacheinander durchzugehen.
 
Bei den meisten Menschen sind die Sinne Sehen und Hören sehr stark ausgeprägt. Sie kommen in unserem Alltag sehr häufig zum Einsatz. Deswegen fange gerne mit diesen Sinnen an. Vielleicht ist es für dich hilfreich, die Augen zu schließen, wenn du dich auf einen anderen Sinn als das Sehen konzentrierst. Möglicherweise kannst du mit geschlossenen Augen die anderen Sinne intensiver wahrnehmen.
 

Sehen – Schau dich in deiner Umgebung um.

  • Was siehst du?
  • Was sticht dir sofort ins Auge?
  • Was gefällt dir besonders gut von dem, was du siehst?
  • Wo verweilen deine Augen ganz automatisch?
  • Was entspannt dich, wenn du es siehst?
  • Was berührt dich vielleicht auch innerlich?
 

Hören – Lausche bewusst, was du alles hören kannst.

  • Was hörst du?
  • Hörst du natürliche oder künstliche/vom Menschen erzeugte Geräusche?
  • Welche Geräusche nimmst du vielleicht zum ersten Mal bewusst wahr?
  • Was hört sich angenehm an?
  • Welche Geräusche beruhigen dich?
  • Probiere besonders beim Hören dich nach und nach auf jeweils ein Geräusch zu fokussieren. Wenn das nicht gleich klappt, ist das nicht schlimm.
 

Riechen – Atme bewusst aus und ein und fokussiere dich darauf, was du alles riechst.

  • Was kannst du riechen?
  • Kannst du ganz kleine und feine Gerüche finden?
  • Kannst du herausfinden, woher der Geruch kommt, den du wahrnimmst?
  • Erinnert dich dieser Geruch an etwas?
  • Was verbindest du mit diesem Geruch?
 

Fühlen – Dazu kannst du auch aufstehen und an deinem Platz herumlaufen und Bäume, Pflanzen und Steine berühren.

  • Was fühlst du?
  • Ist das warm, kalt, nass, trocken, hart, weich?
  • Was ist es, was du fühlst?
  • Erinnert dich das Gefühl an etwas?
  • Kannst du den Wind, den Regen, die Sonne spüren?
  • Wie fühlt sich das an?
  • Welches Gefühl hast du an deinem Lieblingsplatz?
 

Schmecken – in dieser Aufgabe ganz sicher einer der schwersten Sinne, wenn du nicht gerade isst. Versuche dich dabei an dein Lieblingsgemüse/obst zu erinnern.

  • Was schmeckt du?
  • Wie schmeckt das?
  • An was erinnert dich das?
  • Schmeckt es gut oder nicht?
  • Kannst du sagen, was daran gut schmeckt?
 
Du musst nicht bei allen Sinnen etwas spüren. Bei jedem von uns sind andere Sinne stärker ausgeprägt. Es kann auch auf deinen Lieblingsplatz ankommen, was du hier besonders gut wahrnehmen kannst. Arbeite mit dem, was kommt und setze dich nicht unter Druck. Wenn du fünf bis sechs Sinneseindrücke sammeln konntest, ist das schon völlig ausreichend.
 
Nimm eine Haltung der Neugier ein, fokussiere dich auf deine Sinne und beobachte, was zu dir kommt.
 

3. Beobachte, was positiv wirkt und wähle drei Dinge aus

 
Wenn du einige Sinneseindrücke und Beobachtungen für dich sammeln konntest, nimm wahr, welche davon besonders positiv auf dich wirken. Was davon tut dir ganz besonders gut? Was beruhigt dich? Was entspannt dich? Was inspiriert dich? Was macht dich innerlich glücklich und zufrieden?
 
Wähle am besten drei Sinneseindrücke aus. Welche drei Sinneseindrücke sind es für dich, die deinen Lieblingsort so angenehm und entspannend machen. Vielleicht machen gerade auch diese Sinneseindrücke diesen Ort zu deinem Lieblingsort? Es ist völlig egal, ob alle drei Eindrücke unterschiedliche oder alle den gleichen Sinn ansprechen. Nimm, was sich für dich am besten anfühlt.
 
Wenn du dich für drei (oder auch mehr oder weniger) Eindrücke entschieden hast und weißt, was du von deinem Lieblingsort mitnehmen möchtest, halt es gedanklich nochmal ganz klar für dich fest und kehre, falls du gedanklich an deinem Lieblingsort bist, ins Hier und Jetzt zurück. Falls du physisch an deinem Lieblingsort in der Natur bist, kannst du den nächsten Schritt auch noch hier machen oder nach Hause gehen und dort weiter machen.
 
An dieser Stelle empfehle ich dir auch, deine drei Sinneseindrücke aufzuschreiben. Falls du magst, sogar mit einer kleinen Beschreibung, was daran dir so gut tut oder was du besonders schön daran findest. Besonders wenn du mit dem nächsten Schritt nicht direkt weiter machen kannst, hilft es sehr, wenn du dir aufschreibst, was du für dich mitnehmen möchtest. So hast du einen leichteren Einstieg, wenn du weiter daran arbeitest und musst nicht erneut überlegen.
 

4. Ideen-Brainstorming zu biophiler Raumgestaltung

 
Im nächsten Schritt geht es darum Ideen zu sammeln, wie du deine gesammelten Eindrücke bei dir zu Hause umsetzen kannst. Wie kannst du deine Räume gestalten, dass du das wundervolle Gefühl aus der Natur auch hier spüren kannst? Wie kannst du diesen Sinneseindruck mitnehmen.
 
Kurze Anmerkung: Natürlich können wir die Natur nicht eins zu eins nachbauen zu Hause. Ein biophiler Raum oder eine naturnahe Wohnung sollte auch niemals unsere Aufenthalte in der Natur ersetzen. Aber sie sollte uns die Zeit, die wir in Räumen verbringen (müssen), angenehmer gestalten. So schaffen wir uns einen Raum, in dem wir nicht von lauter künstlichen Reizen überflutet werden und ständig unter Strom stehen. Unser ganzer Körper kann sich mehr entspannen und hat wieder Kapazität für neue Ideen und Kreativität.
 
Vielleicht hast du jetzt direkt schon Ideen, wie du die Sinneseindrücke von deinem Lieblingsplatz in einem biophilen Raum umsetzt. Vielleicht aber, denkst du dir gerade: „aha … und wie genau soll das aussehen?“
 
Falls du schon Ideen hast, ran ans Werk! Leg einfach los. Oder wenn du magst, lass dich von den nachfolgenden Zeilen noch zu weiteren Ideen inspirieren. Wenn du noch keine Ideen hast, entspann dich und lies dir in Ruhe durch, was ich bereits an Ideen gesammelt habe. Ich könnte mir vorstellen, dass hier auch für dich etwas dabei ist oder du dadurch auf neue Ideen kommst.
 

Gedanken, Ideen und Einfälle sortieren

 
Auf jeden Fall empfehle ich dir mit einem Brainstorming zu bringen. Ich selbst bin ein großer Fan von Mindmaps. Ich schreibe dazu einen Begriff in die Mitte eines Blatts und schreibe alle meine Einfälle drumherum. Manchmal verbinde ich auch etwas mit Linien oder male Kreise drumrum, um Zusammengehörigkeit zu symbolisieren. Ich persönlich würde auf je ein Blatt einen der drei Sinneseindrücke schreiben und dann gleichzeitig auf alle drei Blätter meine Ideen und Gedanken drumherum schreiben. Falls ein Brainstorming für dich anders besser funktioniert, ist das genauso fein.
 
Wichtig ist vor allem, dass du dich für neue Ideen öffnest. Das funktioniert am besten, wenn du auch im ersten Moment unrealistisch klingende Ideen einfach mal notierst. Du musst es ja nicht umsetzen, aber schreib es auf. Diese Herangehensweise nimmt die Schranke im eigenen Kopf runter und öffnet neue Türen. Lass alles kommen, ohne direkt zu bewerten oder den inneren Kritiker zu laut werden zu lassen. Es sind ja erstmal nur Ideen auf einem Blatt Papier.
 

Inspiration zu biophilen Gestaltungsideen

 
Um dir ein bisschen Inspiration zu geben, habe ich einfach mal ein paar Beispiele zusammen geschrieben, die ich selbst bereits für mich mitgenommen und umgesetzt haben:
Falls du Hilfe brauchst beim Brainstorming, schreib mir gerne in die Kommentare oder in einer Mail, welchen Sinneseindruck du gerne zu dir nach Hause holen würdest. Dann schauen wir, ob wir zusammen eine Lösung finden.
 

5. Biophil umgestalten

Ich bin sicher, du hast inzwischen einige Ideen, wie du dein Zuhause biophiler gestalten kannst. Falls du dir noch unsicher bist oder dich nicht so richtig festlegen kannst, denke daran, dass es nicht sofort große Veränderungen sein müssen. Schau am besten, was von deinen Ideen dir leicht von der Hand geht. Was ist ohne großen Aufwand möglich und absolut vorstellbar für dich?
 
Wichtig ist, dass du anfängst. Auch wenn es (gefühlt) nur ganz kleine Schritte sind. Ich empfehle dir hier, meine sieben Lessons Learned biophiler Gestaltung im Hinterkopf zu behalten. Sei geduldig mit dir und deiner bioheilen Reise.
 

Kreativ werden, selber machen und Altes wiederverwenden

Ich persönlich fände es auch richtig schön, wenn dir Ideen kommen, wie du Altes wiederverwenden oder Dinge selber machen kannst. Vielleicht schaffst du es sogar deine Idee umzusetzen, ohne etwas Neues dafür zu kaufen. Auch die Natur stellt uns sehr viele Materialen völlig kostenlos zur Verfügung. In der aktuellen Jahreszeit sind das vor allem buntes Laub, Kastanien, Eicheln, Zweige, Äste, Bucheckern und vieles mehr. Vielleicht kannst du dich auch hier bedienen.
 
Für manche Sinneseindrücke macht es auch Sinn, diese in mehreren unterschiedlichen Maßnahmen umzusetzen. Zum Beispiel kannst du Gerüche sowohl durch Diffusor als auch mithilfe von Duftlampen und Duftschalen gleichzeitig zu dir nach Hause holen. Das geht natürlich auch andersrum. So dass du mit einer Maßnahme gleich mehrere Sinneseindrücke in dein Zuhause integrierst. Zimmerpflanzen sorgen beispielsweise für besser Luftqualität und gleichzeitig auch für mehr grün und beruhigende Farben und Formen. Es kann also auch sinnvoll sein zu überlegen, wie du deine gesammelten Eindrücke kombinieren und vereint umsetzen kannst.
 

Teile deine Idee mit uns! 

Ich bin ehrlich gesagt super neugierig, was du für dich in der Natur findest und wie du es umsetzt!
 
Schreib mir sehr gerne in die Kommentare oder per Mail, welche Sinneseindrücke du dir aus der Natur mitgenommen hast und wie du ihn zu dir nach Hause holst. Ich würde mich total freuen, wenn wir hier ein bisschen sammeln, was wir so an Ideen haben und uns damit gegenseitig inspirieren können.