(Foto: Tobias Leitenstern)

Wir leben in einer Welt, die sehr männlich geprägt ist. Das ist kein Vorwurf, sondern eine Feststellung. Wir Frauen haben oft vergessen, wie es ist nach dem weiblichen Konzept, in der weiblichen Kraft zu leben oder wir trauen uns nicht, es zu tun, weil es nicht zum Rest dieser Welt passt, die wir kennen. Das lässt uns oft an unserem Selbstwert zweifeln und schwächt unser Selbstbewusstsein. Wir fühlen uns schwach und gleichzeitig unverstanden.

Mit den Überresten der Weiblichkeit, die uns noch heute wage daran erinnern, dass wir zyklische Wesen sind, wie beispielsweise unsere Periode, verbinden viele Frauen hauptsächlich Schmerzen und etwas Nerviges. Wir haben vergessen, wie wertvoll und wunderbar das Frau-Sein ist.

Der Zyklus, die Weiblichkeit und das Frau-Sein sind ein Wunder. Das habe ich selbst feststellen dürfen. Nach dem auch ich viele Jahre geglaubt habe, dass Frauen eigentlich nur Nachteile gegenüber Männern haben. Besonders ein Mond-Zyklus-Journal macht es möglich, dass wir uns selbst wieder in unserer vollen Kraft und Weiblichkeit erkennen und verstehen lernen. Das macht dich langfristig zu einer selbstbewussten und authentischen Frau, die ihre eigene Kraft erkennt.

In diesem Artikel möchte ich dir zeigen, wie ein Mond-Zyklus-Journal dir dabei hilft, die Frau zu werden, die du tief in dir bist.

Die Frau und die Mondin

Für mich war es damals absolut erstaunlich zu erfahren, dass mein Zyklus sich dem Mond anpasst. Einfach schon alleine deshalb, weil mir nie jemand davon erzählt hat. Ich habe in diesem Moment sofort meinen Blutungskalender raus gekramt und ihn mit den Mondphasen der letzten Monate verglichen und: Ja es hat gestimmt. Ich konnte es kaum glauben, dass mir das noch nie aufgefallen war. Heute ist es für mich etwas ganz natürliches und normales und ich freue mich, wenn der Mond und ich im Einklang sind.

So vieles auf dieser Welt ist zyklisch. Die gesamte Natur ist zyklisch und durch unseren eigenen Zyklus sind wir Frauen mit der Natur verbunden. In jedem Zyklus durchlaufen wir die Jahreszeiten von Frühling, über Sommer, Herbst, bis in den Winter. Ab und zu treffen sich unsere inneren Jahreszeiten mit den äußeren Jahreszeiten und in diesem Moment fühlt sich oft alles sehr stimmig an – zumindest bei mir.

Weißer und roter Mondzyklus

Man unterscheidet grundlegend zwischen zwei unterschiedlichen Rhythmen, nach denen sich der weiblichen Zyklus dem Mondzyklus anpassen kann: dem weißen und dem roten Mondzyklus. Natürlich gibt es auch Zwischenformen und die sind auch vollkommen normal. Zum Beispiel kann der Verzehr von tierischen Eiweißen den Zyklus leicht verschieben oder beeinflussen. Genauso wie die Einnahme von Hormonen oder hormonelle Verhütungsmethoden.

Zwischenformen können aber auch auftreten, wenn die Frau sich im Übergang von dem einen in den anderen Mondzyklus befindet, was im Lauf eines Jahres und auch über mehrere Jahre hinweg immer wieder vorkommen kann. Bei vielen Frauen wechselt der Mondzyklus auch zwischen oder mit den Jahreszeiten.

Der Weiße Mondzyklus

Du befindest dich im weißen Mondzyklus, wenn dein Eisprung immer um die Zeit um Vollmond rum stattfindet und du deine Menstruation zu Neumond bekommst.

Wenn sich eine Frau im weißen Mondzyklus befindet, sagt man, fließt ihre Energie von innen nach außen. Deswegen wird der weiße Mondzyklus auch Zyklus der guten Mutter genannt. Man befindet sich in einer sehr aktiven Phase des Lebens, in der die Schöpferkraft hoch ist.

Der Rote Mondzyklus

Im roten Mondzyklus befindest du dich, wenn dein Eisprung um Neumond rum stattfindet und deine Menstruation zu Vollmond kommt.

Der rote Mondzyklus wird auch Zyklus der weisen Frau oder Hexe genannt. Eine Frau im roten Mondzyklus richtet ihre Energie nach innen und damit zu sich selbst. Sie braucht diese Energie für ihre eigene Entwicklung, ihr Wachstum und ihre Entfaltung.

Jeder Zyklus ist individuell. Kein Grund zur Unruhe, wenn du dich nicht direkt in einem der beiden Rhythmen wieder finden kannst. Wenn du deinen Zyklus aber über längere Zeit beobachtest, wirst du feststellen, dass ein Muster dahinter steckt – auch wenn es ein ganz individuelles ist.

Der Zyklus ist so viel mehr

Eine Schamanin hat mir einmal gesagt, dass wir in jedem Zyklus ein Thema aus unserem Leben für uns bearbeiten. Ich finde diese Vorstellung sehr schön. Wie zum Beispiel auch das Jahr mit seinen unterschiedlichen Jahreszeiten ein Thema unterschiedlich beleuchtet, so passiert es auch im Zyklus. Das bedeutet aber auch, dass das Thema eines Zyklus genau so lange dauernd darf wie der Zyklus eben dauert. Es muss nicht alles sofort geklärt und gelöst werden. Wir dürfen uns Zeit nehmen und geduldig sein. Genau so wie wir am Ende des Zyklus loslassen dürfen. Denn dann ist es Zeit dieses Thema abzuschließen.

Die Vorteile, wenn du mit deinem Zyklus verbunden bist:

  • Du kannst Phasen in deinem Zyklus erkennen und weißt, dass sie auch wieder vergehen werden.
  • Du kannst dir deine Reaktionen auf Äußeres an bestimmten Tagen leichter erklären und es akzeptieren ohne es unbedingt verstehen zu müssen.
  • Du kannst besser planen und dich auf die kommenden Tage einstellen, wenn du weißt, von welcher Energie sie geprägt sein werden.
  • Du weißt, wann du deine Entscheidungen am besten triffst.
  • Du wirst selbstbewusster, indem du dir selbst bewusst bist und du weißt, wie deine Rhythmen sind.

Wie du ein Mond-Zyklus-Journal führst

Um dich und deinen Zyklus, dein Frau-Sein und deine Verbindung zur Natur und dem Mond besser kennenzulernen, empfehle ich dir ein Mond-Zyklus-Journal zu führen. Mir persönlich hat diese Form des Journalen sehr viel mehr Vertrauen in mich, meine Weiblichkeit und meine natürliche Intuition und Körperweisheit gebracht. Es ist schön zu sehen, wie unser Körper ganz von alleine so vieles richtig macht.

Für das Mond-Zyklus-Journal reicht ein ganz normales Notizbuch, das dir gut gefällt und in das du gerne schreibst. Wie bei allen anderen Journal-Formen ist es auch beim Mond-Zyklus-Journal sehr ratsam täglich zu schreiben. In dein Mond-Zyklus-Journal schreibst du jeden Tag alle deine Beobachtung rund um dich, deinen Körper, deine Weiblichkeit und den Mond. Dazu kannst du dir aus den folgenden Elementen einfach die auswählen, die dir am meisten zusagen oder auch alle verwenden.

Elemente des Mond-Zyklus-Journal

Die ersten drei Elemente finde ich persönlich besonders wichtig und würde sie dir für dein Mond-Zyklus-Journal auf jeden Fall empfehlen:

  • Zyklustag + Zyklusphase: Schreibe auf, an welchem Tag deines Zyklus du dich gerade befindest. Wenn du möchtest kannst du auch die Zyklusphase dazu notieren. Die Zählung der Zyklustage beginnt mit dem ersten Tag deiner Menstruation. Wenn du mehr zu den Zyklusphasen erfahren möchtest, schau bei meinem Artikel Warum Frauen eine Journal-Routine mindestens 4 Wochen durchhalten sollten vorbei.
  • Mond: Notiere dir die Mondphase (Neumond, zunehmender Mond, Vollmond oder abnehmender Mond) oder auch in Prozent, wie viel vom Mond heute zu sehen ist. Es gibt kostenlose Apps, die dir genaue Infos zum Mond geben.
  • Temperatur: Falls du natürlich verhütest, oder dich für deine sich ändernde Körpertemperatur im Zyklus interessierst, kannst du diese zusätzlich notieren. Manche Frauen können auch sehr gut fühlen, wie sich ihre Körpertemperatur im Laufe des Zyklus verändert. Du kannst also auch nur deine gefühlte Körpertemperatur aufschreiben.
Dein Mond-Zyklus-Journal soll in aller erster Linie dir selbst dienen. Gestalte es nach deinen Ansprüchen und Bedürfnissen.

Alle anderen Elemente kannst du frei nach Wahl und vielleicht auch nach Interesse, deinem aktuellen Fokus und deiner zeitlichen Verfügbarkeit wählen. Möglicherweise liegt dein Fokus gerade sehr darauf, deinem Essverhalten und deine Ernährung in Zusammenhang mit deinem Zyklus zu erkunden. In diesem Fall wäre es sinnvoll dem Abschnitt Essen einen größeren Teil zu widmen.

Wenn sich dein Fokus ändert, kannst du auch die Zusammenstellung deines Mond-Zyklus-Journals jederzeit ändern. Bedenke jedoch, dass es immer einige Zeit dauert bis du Rhythmen und Regelmäßigkeit erkennen kannst. Es lohnt sich also über mehrere Zyklen hinweg den gleichen Fokus zu behalten, um eine Aussage darüber treffen zu können. Du kannst aber natürlich auch immer mehre Elemente gleichzeitig beobachten.

  • Gefühle in den verschiedenen Lebensbereichen: Wähle Lebensbereiche, zu denen dich deine Gefühle an den unterschiedlichen Tagen deines Zyklus interessieren z. B.: Familie, Freunde, Partner, Arbeit, Studium, Zeit für mich, Selbstverwirklichung, Sport und Fitness, Essen (Appetit auf), Persönlichkeitsentwicklung usw.
  • Gedanken: Notiere Gedanken in deinem Mond-Zyklus-Journal, die an diesem Tag sehr präsent sind. Möglicherweise kannst du darin Regelmäßigkeit über verschiedene Zyklen hinweg erkennen. Vielleicht kannst du sogar sehen, wie Gedanken für die Energien der verschiedenen Zyklusphasen stehen. Du kannst die Gedanken natürlich auch den unterschiedlichen Lebensbereichen aus dem ersten Punkt zu ordnen.
  • Körperwahrnehmungen: Nimm deinen Körper bewusst wahr und notiere alles, was dir an diesem Tag an deinem Körper auffällt. Ändert sich deine Haut? Wie sind deine Haare? Spürst du ein Ziehen im Unterleib? Kannst du deinen Eisprung spüren? Wie nimmst du dich heute selbst wahr? Hast du Lust auf Sex? Hast du Lust auf Bewegung oder eher Ruhe?
  • Gesundheit: Wenn wir Schmerzen haben oder krank sind, haben wir oft das Gefühl, dass es an jedem Tag schlimm ist. Aber das stimmt nicht. Schreibe dir auf, wie es dir heute gesundheitlich geht. So kannst du an den schlechten Tagen rückblickend sehen, dass es immer auch sehr viele gute Tage gibt.
  • Energie: Wie würdest du deine Energie heute beschreiben? Gibt es eine Farbe, ein Lied, eine Blume, ein Gedicht oder ein Bild, das deine Energie heute beschreibt?
  • Kreativität: Wie kreativ bist du heute? Notiere Ideen, die dir heute gekommen sind. Auch wenn sie im ersten Moment verrückt, wahnsinnig und unrealistisch klingen. Gib deinen Ideen und Geistesblitzen Raum, mehr muss es erstmal gar nicht sein.

Lesen und auswerten des Mond-Zyklus-Journal

Wenn du dein Mond-Zyklus-Journal schon für einige Zeit führst, ist es an der Zeit mal darin zu lesen. Nimm dir dafür am besten aktiv Zeit und mache es dir gemütlich, so dass du dich in aller Ruhe mit dir und deinem Zyklus beschäftigen kannst. Falls gerade nicht der richtige Tag dafür ist und du überhaupt keine Lust und Zeit dazu hast, akzeptiere das. Es wird der Tag kommen, an dem es so weit ist.

Zunächst würde ich dir empfehlen einfach aufmerksam in deinem Journal zu lesen. Du wirst sicherlich einige Überraschungen finden, Dinge, die dich verwundern oder den ein oder anderen Ah-Moment haben. Lass das mal in Ruhe auf dich wirken.

Fragen, die dir helfen

Um noch ein paar mehr Erkenntnisse aus deinem Mond-Zyklus-Journal zu ziehen, kannst du auch die folgenden Fragen nutzen und mit Hilfe deines Journals beantworten.

  • In welchem Mondzyklus bist du gerade oder auf welchen bewegst du dich zu?
  • Kannst du in den einzelnen Zyklen ein übergreifendes Thema für dich entdecken?
  • Welche Energien kannst du in welcher Phase besonders gut spüren oder nachempfinden?
  • Welche Phasen in deinem Zyklus kannst du besonders deutlich spüren und erkennen? Woran erkennst du sie?
  • Welche Muster und Rhythmen kannst du über mehrere Zyklen hinweg feststellen? Gibt es Beobachtungen, die du immer wieder machst?

Ich wünsche dir ganz viel Freude dabei dich selbst zu entdecken! Es gibt nichts wertvolleres als seine Zeit in die eigene Entfaltung und das eigene Wachstum zu investieren.

Wenn du mehr zum Thema Mond, Zyklus und Frau-Sein erfahren möchtest, kann ich dir das Buch Roter Mond von Miranda Gray wärmstens empfehlen.

Führst du bereits ein Mond-Zyklus-Journal? Was waren deine größten Erkenntnisse daraus?

Teile mir gerne deine Erfahrungen mit! Entweder an katharina@writingtrees.de oder unten in den Kommentaren.

Neben einem Mond-Zyklus-Journal gibt es auch noch andere wunderbare Formen des Journalens: intuitives Schreiben, ein Gruppenjournal, ein Journal-Mentoring oder ein Zieljournal. Lass dich inspirieren!