Kreativität lässt uns wachsen. Aber wie genau ist man kreativ? Um kreativ zu sein, musst du dir den nötigen Raum dafür geben. Dazu kann es helfen zu verstehen, wie Kreativität überhaupt funktioniert. Wann und wie genau du kreativ wirst? Wie du dich dabei unterstützen kannst? Und wie du deine Kreativität aktiv lebst?

Graham Wallas hat in den 1920er Jahren das vier Phasenmodell der Kreativität entwickelt. Denn Kreativität ist ein Prozess, der verschiedene Phasen durchläuft.

In der vierteiligen Serie „Kreativität fördern“ gehe ich in jedem Beitrag speziell auf eine der Phasen ein, erkläre dir, wie diese abläuft und wie du sie für dich leben und nutzen kannst. Als extra Bonus gibt dir die Heilpflanzenexpertin Ruby zusätzlich zu jeder Phase Tipps, wie du deine Kreativität mit Heilpflanzen und Mitteln aus der Natur unterstützen kannst. Ist das nicht wundervoll? 🙂

In diesem Beitrag geht es um die erste Phase der Kreativität nach Wallas – die Phase der Präparation.

Die erste Phase der Kreativität: Klarheit

In der ersten Phase der Kreativität geht es nicht um die Lösung, sondern erstmal um das Problem. Du brauchst Klarheit über dein Problem, bevor du eine passende Lösung dafür finden kannst.

Im zweiten Schritt geht es darum, alles rund um dieses Problem zu sammeln. Deswegen sind die Themen dieser ersten Phase Klarheit und Öffnung. Es geht darum, dass du dir absolut klar wirst über dein Problem und anschließend anfängst alles zusammen zu tragen, was in irgendeiner Form mit dem Problem zu tun haben könnte.

Es geht nicht darum, bereits die fertige Lösung zu finden. Sieh diese Sammlung als eine Art Fundament, auf dem du anschließend selbst deine ganz individuelle Lösung erschaffst. Da die meisten Gebäude deutlich stabiler stehen, wenn sie ein gutes Fundament haben, siehst du also schon, es lohnt sich diese Arbeit gründlich zu machen und sich wirklich Zeit dafür zu nehmen.

Wie du Klarheit für deinen kreativen Prozess findest

Wichtig ist, dass du damit startest, absolute Klarheit über dein Problem zu haben. Denn nur, wenn dir klar ist, was du überhaupt lösen oder verändern möchtest, kannst du nach den richtigen Bauteilen für den Fundament Ausschau halten.

Sehr gut funktioniert das zum Beispiel mit dem Journalen. Schreibe dir dein Problem auf. Formuliere, wofür die eine Lösung brauchst. Klappt das? Oder tust du dir schwer? Wenn du dir schwer tust, dein Problem zu formulieren, ist das ein Hinweis, dass du dir noch etwas klarer über dein Problem werden darfst, bevor du den kreativen Prozess fortsetzt.

Versuche so präzise wie möglich zu formulieren – kurz und knackig, aber auch so, dass alle wichtigen Details enthalten sind. Umso schwammiger du dein Problem formulierst, um so schwammiger die Lösung, die am Ende entsteht.

Hier ein Beispiel:

„Ich bin unzufrieden mit meiner Küche“

Diese Formulierung ist sehr allgemein. Mit was genau bist du unzufrieden? Würde es reichen, die Küche sauberer zu halten und regelmäßig aufzuräumen? Oder muss es eine neue Kücheneinrichtung sein? Gefällt dir die Optik deiner Küche nicht? Oder wäre es am Ende eine Lösung gar keine Küche mehr zu haben?

Du siehst diese Formulierung deines Problems lässt relativ viele Lösungen offen. Auch das kann ein Weg sein, wenn du aber schon weißt, dass eine neue Kücheneinrichtung keine Lösung ist und du auf jeden Fall weiterhin eine Küche brauchst, passe deine Problembeschreibung entsprechend an.

„Es nervt mich, dass es in der Küche Dinge gibt, wie Kaffeedose und Tee, die einfach keinen richten Platz haben und ständig rumstehen. Das lässt die Küchen unaufgeräumt und unordentlich aussehen. Außerdem steht es auf der Arbeitsfläche ständig im Weg, wenn ich Platz zum Kochen brauche.“

Damit kann man arbeiten. Denn damit wird klar, dass eine Lösung für das Verräumen von Kaffeedose und Tee gesucht wird.

Wie du dein Problem klar auf den Punkt bringst

Es kann durchaus sein, dass wir das Problem nicht sofort so treffend auf den Punkt bringen können. Auch das kann und darf ein Prozess sein. Ich empfehle dir, diesen Weg zu mehr Klarheit aktiv zu gestalten, indem du ihn in fünf Schritte unterteilst.

Nutze dazu dein Journal und schreibe als ersten Schritt vollkommen frei auf, was du als Problem wahrnimmst. Ich glaube die Frage „Wo drückt der Schuh?“ passt hier ganz gut. Denn wenn uns im Schuh etwas drückt, wissen wir oft auch noch nicht ganz genau, was das Problem ist, aber wir können im ersten Schritt mal grob beschreiben, wo es weh tut. Zum Beispiel hinten an der Ferse.

Im ersten Schritt darf es also eine Aussage sein wie: „Ich bin unzufrieden mit meiner Küchen!“

Im zweiten Schritt, fragst du dich „Warum?“. Für unser Beispiel würde die Frage also lauten: „Warum bin ich unzufrieden mit meiner Küche?“ Schreibe deine Antwort auf.

Auch das muss noch nicht die absolute Klarheit über das Problem bringen, sondern kann zum Beispiele eine Antwort sein wie: „Ich bin unzufrieden mit meiner Küche, weil ich auf der Arbeitsfläche immer so wenig Platz habe.“ Perfekt, so bist du schon einen Schritt weiter.

Die nachfolgenden Schritte sind nun einfach Wiederholungen vom zweiten Schritt. Du fragst dich immer wieder „Warum?“. Mit einem Unterschied allerdings, du nutzt für deine Frage immer die Antwort aus dem letzten Schritt.

Die Frage zu unserem Beispiel würde im dritten Schritt also lauten: „Warum ist so wenig Platz auf der Arbeitsfläche?“ Und die Antwort darauf könnte sein: „Es ist so wenig Platz auf der Arbeitsfläche, weil dort immer der Tee und die Kaffeedose stehen.“

Für den vierten Schritt, wäre die Frage dann: „Warum stehen die Kaffeedose und der Tee immer auf der Arbeitsfläche?“ und die Antwort darauf: „Weil sie sonst keinen festen Platz haben in der Küche.“

So und nun siehst du, kommen wir dem Problem schon recht nahe. Wir wissen also, dass es explizit die Kaffeedose und der Tee sind, die uns nerven, weil sie auf der Arbeitsfläche stehen. Im letzten Schritt nimmst du also alle deine Erkenntnisse aus den vorherigen Schritten und formulierst klar, was dein Problem ist.

Lege die Basis für deine Kreativität

Du hast nun Klarheit über dein Problem. Diese Klarheit brauchen wir für das zweite große Thema in dieser Phase – die Öffnung. Schreibe dir dein Problem mindestens einmal, vielleicht aber sogar mehrmals auf (zum Beispiel in dein Journal). Jetzt kannst du beginnen Informationen rund um dein Problem zu sammeln.

Nachdem du dir klar darüber bist, welches Problem deine Idee lösen soll, sammelst du jetzt die Steine und Bauteile für dein Fundament. Das können alle möglichen Informationen und Gedanken rund um das Problem sein. Auch solche, die im ersten Moment scheinbar gar nicht so richtig zur Lösungsfindung beitragen.

Wichtig ist hier mit offenen Augen und einem offenen Mindset den Blick schweifen zu lassen. Schau dich um:

  • Was fällt dir zu dem Thema ein?
  • Was könnte irgendwie dazu passen?
  • Was sagt deine Intuition?
  • Welche Bilder entstehen in deinem Kopf?
  • Welche Wörter sprechen dich an?

Bewerte nicht und vertraue, dass du das Richtige finden wirst. Du musst später nicht alles verwenden. Aber um das beste auszuwählen, ist es meistens besser eine große Auswahl zu haben.

Schaffe Struktur, um kreativ zu werden

Damit alle die Informationen, die du nun sammelst, etwas leichter verdaulich werden, kannst du sie zum Beispiel in einer Mindmap strukturieren. Für Mindmaps gibt es kein Richtig und kein Falsch. Bring die Steine deines Fundaments FÜR DICH in eine logische Ordnung. Verbinde sie mit Strichen, klebe Bilder auf oder mach dir Notizen in einer für dich stimmigen Form.

Es ist vollkommen egal, wie die Mindmap aussieht, die dabei entsteht. Es ist sogar egal, ob du es als Mindmap oder als buntes Chaos bezeichnest. Mache ruhig drei oder vier solcher Mindmaps und jede darf anders aussehen.

Wichtig ist auch nicht unbedingt, was dabei auf dem Papier entsteht und ob es Sinn ergibt. Essenziell ist, was dabei in deinem Kopf passiert. Deswegen gönn dir die Freiheit und folge deinen Impulsen und deiner Intuition. Wir sind noch lange nicht an dem Punkt, an dem eine perfekte Lösung entstehen muss. Trau dich wild und frei zu notieren, zu malen, zu verbinden, durchzustreichen, neu anzufangen und lass den kreativen Prozess beginn.

Drei Heilpflanzen für mehr Klarheit

Die schnelle Hilfe: ätherisches Pfefferminzöl

(Mentha piperita)

Wenn ich eine schnelle Wirkung suche, benutze ich gerne ätherische Öle, denn die Wirkstoffe gehen unheimlich schnell ins Blut und über die Blutbahn in den gesamten Körper.

Für die erste Phase, in der die Idee im Kopf noch nicht ganz klar ist, hilft das ätherische Pfefferminzöl seine Gedanken zu fokussieren und ein besseres Gespür dafür zu bekommen, was man eigentlich will. Es macht wach, löst Blockaden und Widerstände und regt die Kreativität an.

So kannst du das ätherische Pfefferminzöl für einen klaren Blick nutzen:

Setze dich mit geschlossenen Augen hin und rieche immer wieder am offenen Fläschchen. Schwenke es langsam vor deiner Nase hin und her und beobachte, was passiert. Wahrscheinlich wirst du davon aufstoßen – das ist ein gutes Zeichen. Ätherisches Pfefferminzöl regt die Verdauung an. Bildlich gesprochen bedeutet es, dass ein innerer Prozess in Gang kommt.

Alternativ kannst du dir einen Tropfen ätherisches Pfefferminzöl auf die Schläfen oder in den Nacken reiben und etwas massieren. Eine kleine Nacken- oder Kopfmassage kann Wunder wirken, wenn die Problemlösung ins Stocken gerät. Die Ideen kommen wieder ins Fließen.

Wichtig! Schwangere und Stillende und Kinder unter 6 Jahren dürfen kein ätherisches Pfefferminzöl benutzen. Benutze bitte ausschließlich biologisches, 100% naturreines ätherisches Öl. Nur so wirst du von einer „therapeutischen Wirkung“ profitieren können.

Für Ritualliebhaber: das kleine Habichtskraut verräuchern

(Hieracium pilosella)

Dieses kleine, unscheinbare Schätzchen wird meist als Unkraut abgetan, dabei ist es eine sehr schöne Heilpflanze.

Indem man sie auf einem Räuchersieb räuchert, bekommt man Zugang zu ihrer Wirkung auf seelischer und emotionaler Ebene.

Es hellt die Stimmung auf, hilft dabei, sein Ziel klarer vor Augen zu sehen, man kann sich besser auf das Wesentliche fokussieren, der Geist wird ruhig und zufrieden, man wird wacher und konzentrierter und das kleine Habichtskraut stärkt das Selbstvertrauen.

Man kann die Pflanze entweder selbst sammeln und trocknen oder bereits getrocknet in einem Kräuterladen kaufen.

Ein kleines Ritual:
Nimm dir eine halbe Stunde Zeit und hab Stift und Papier parat.

Mach’s dir gemütlich, schaffe dir eine heimelige Atmosphäre, zünde eine Kerze an.

Räuchere das kleine Habichtskraut auf dem Räuchersieb. Schließe deine Augen und stell dir vor, wie du wie ein Habicht hoch oben in der Luft fliegst. Du nimmst Abstand zu deinem Problem und betrachtest es von oben. Aus der Ferne. Mit einem weiten Blick. Du hörst den Wind rauschen und die Blätter rascheln. Das entspannt dich.

Beobachte, was du unten auf der Erde siehst. Beobachte die Felder mit ihren Feldmäuschen, alle Büsche und Bäume. Kreise in der Luft herum und entdecke Dinge, die du vorher noch nicht gesehen hast.

Stell dir jetzt vor, du würdest dein Problem aus der Luft betrachten. Es liegt ein paar Hundert Meter unter dir auf der Erde.

Was genau siehst du? Sieh es dir genau an. Das Problem an sich, aber auch seine Umgebung.

Nimm jetzt Zettel und Stift zur Hand und schreibe auf, was dir in den Sinn kommt. Lass deine Gedanken einfach fließen. Ganz egal, ob es Sinn macht oder nicht. Bewerte nicht, sondern schreib einfach auf. Der Sinn wird sich später ergeben.

Ziel ist für heute einfach nur, dein Problem genauer zu benennen und Klarheit zu schaffen. Abstand zu bekommen. Und genau dabei soll dir dieses Ritual helfen.

Für Teetrinker: ein Kräutertee aus Rosmarinblätter

(Rosmarinus officinalis)

Ich liebe Rosmarintee! Er schmeckt lecker, macht wach, fördert die Konzentration, hilft, sich auf eine Sache fokussieren zu können und regt die Gehirndurchblutung an.

(Abgesehen davon unterstützt er die Verdauung und reinigt den Körper von innen heraus.)

Manchmal reicht es aus, eine einzige Tasse Rosmarintee zu trinken, aber in der Regel dauert es ein paar Tage, bis man wirklich eine Veränderung sieht und der Körper die Pflanzeninhaltsstoffe für sich nutzen kann.

Rubys Vorschlag für dich:

Mach eine kleine Rosmarin-Teekur, sobald du in eine kreative Phase eintauchst, und trinke morgens und mittags eine Tasse Rosmarintee.

So bereitest du den Tee richtig zu:

Wenn du eine Wirkung sehen willst, dann achte darauf, loses Pflanzenmaterial in Bioqualität statt Teebeutel zu benutzen. Teebeutel enthalten nur noch Pflanzenstaub und die aktiven Wirkstoffe sind längst verflogen.

Benutze pro Tasse (=250 ml) einen Teelöffel Rosmarinblätter. Übergieße sie mit heißem, nicht kochenden Wasser, lass den Rosmarintee abgedeckt 10 Minuten durchziehen und filtere anschließend die Blätter ab. Du kannst die Blätter auch drinnen lassen, allerdings wird dein Tee dann bitter.

 

Über Ruby

Ruby Nagel Heilpflanzenexpertin

Ruby Nagel arbeitet seit 2008 mit Heilpflanzen. Auf ihrer Webseite und in ihren Onlineberatungen zeigt sie, wie wir durch pflanzliche Heilmittel unsere Gesundheit perfekt unterstützen können und dadurch entspannter, stressfreier und naturverbundener leben.

 

Nächste Woche gibt es einen Blogbeitrag zur zweiten Phase der Kreativität!