Vor ziemlich genau einem Jahr habe ich hier auf writingtrees einen Blogartikel geteilt, in dem ich über meine Erfahrungen aus dem Journal-Mentoring (wie wir es nennen) berichte. Journal-Mentoring bedeutet für uns, dass wir das, was wir in unser Journal schreiben, nicht nur für uns behalten, sondern mit einer vertrauten oder ausgewählten Person teilen. Zum Zeitpunkt des letzten Artikels zu diesem Thema haben wir dieses Projekt schon ca. 5 Monate durchgezogen.
 
Heute ein Jahr später, schreiben wir immer noch regelmäßig zweimal die Woche. Und das möchte ich zum Anlass nehmen, um über dieses weitere Jahr Erfahrung zu berichten. Was ist passiert im letzten Jahr? Was haben wir dazu gelernt? Und wie ist es uns damit ergangen?
 

Neue Erfahrungen aus einem weiteren Jahr Journal-Mentoring

 

Es gibt Durststrecken

Ja auch im Journal-Mentoring gibt es nach einer gewissen Zeit mal Durststrecken. Das ist vermutlich überall und in jeder Beziehung so. Bei uns waren das Phasen, in denen wir einfach nicht so richtig wussten, was wir überhaupt schreiben sollen. Entweder weil gar nicht wirklich etwas passiert, oder weil so viel passiert, wir aber davon nichts wirklich erwähnenswert fanden. In manchen Wochen war es sicher auch mal weniger Text, weil wir im Stress waren und wenig Zeit hatten.
 
Ich habe für mich die Erfahrung gemacht, dass das völlig normal und okay ist und vor allem, dass auch diese Phasen vorüber gehen. Ich glaube, das wichtigste in diesen Zeiten ist: Dranbleiben. Einfach weiter machen – That’s Where the Magic Happens 😉
 

Mache Themen dürfen auch mal ruhen

Mit jeder Woche, die wir das Mentoring nun machen, kommen wir tiefer. Tiefer in uns selbst, mit all unseren Glaubenssätzen, Gedanken und Erfahrungen. Aber auch tiefer in der Beziehung zueinander. Und dabei kommt man unweigerlich auch auf Themen, die emotional sehr aufgeladen sind oder besonders tief sitzen. Das ist gut, denn das wollen wir ja auch. Wir beide wussten das oder haben es zumindest geahnt, als wir uns darauf eingelassen haben.
 
Und trotzdem gibt es Themen, die wühlen einen so tief auf, dass man sie auch einfach mal ruhen lassen darf. Völlig egal, ob man sie gerade erst angesprochen oder schon mehrfach diskutiert hat. Jeder muss für sich spüren, wann ein Thema mal gut ist – auch wenn es keine Lösung, keine Besserung und gefühlt auch sonst keine Veränderung gab. Man spürt, wenn es Zeit ist für eine Pause. Und dann darf man das auch offen kommunizieren – machen wir auch so.
 

Unsere Werte sind geblieben

Auch nach einem Jahr kann ich sagen, dass unsere Werte, die quasi die Basis unseres Journal-Mentorings bilden, geblieben sind. Vertrauen, Zuverlässigkeit, Offenheit, Ehrlichkeit und kritisches Hinterfragen sind nach wie vor die Werte, die für uns wichtig sind. Und ich denke, daran wird sich sobald nichts ändern.
 

Parallelen in unseren Geschichten

Es ist immer wieder ziemlich lustig, Parallelen in unseren Geschichten zu entdecken. Dieses Thema hatte ich auch vor einem Jahr schon angedeutet. Das weitere Jahr hat es bestätigt, sie kommen immer wieder. Und meistens fallen sie uns beiden direkt auf. In der Regel ist das auch nicht eins zu eins die gleiche Geschichte, die wir erleben, viel eher eine Art Grundstimmung in unseren Nachrichten, ein Gefühl, eine Schema in unseren Geschichten oder ähnliche Themen in ganz unterschiedlichen Zusammenhängen.
 
Woran das genau liegt, wissen wir auch nicht. Denn unsere Lebensituationen sind doch schon ziemlich unterschiedlich. Aber es ist immer irgendwie schön zu spüren, dass uns so vieles verbindet.
 

Ratschlag zwecklos

Ich gebe zu, diese Überschrift ist etwas provokant formuliert. Im Grunde geht es darum, dass wir uns beide oft denke, die Lösung für das Problem des anderen zu kennen. Und mit guten Beschreibungen und Erklärungen zu belegen, dass das genau die Lösung sein muss. Nur leider funktioniert das so nicht. Ich glaube, dass wir schon vor dem Mentoring eher zurückhaltende Menschen waren , was unsere Meinung betrifft. Dennoch haben wir in diesem Jahr, glaube ich, beide nochmal gelernt, selbst, wenn ich die Lösung sehe (oder meine zu sehen), der andere muss selbst drauf kommen.
 
Ja man kann unterstützen, man kann Hinweise geben oder Impulse setzen. Und manchmal kommt der andere dann auch auf ganz andere Lösungen für sein Problem und das ist völlig ok. Selbst wenn man sich so gut kennt, wie wir inzwischen und vieles im Leben und vor allem den Gedanken des anderen mitbekommt, man steckt nicht drin! Nie. Und das muss man akzeptieren. Auch wenn die Lösung so einfach aussieht für einen selbst.
 

Themen kommen wieder

Was mir in den letzten Wochen sehr aufgefallen ist, dass es Themen gibt oder vielleicht auch Schemata in unseren Geschichten, die kommen immer wieder. Und damit meine ich nicht, so Dauerbrenner-Themen, weil einen irgendwas immer nervt oder beschäftigt. Ich meine viel eher Muster, die sich wiederholen. Auch in ganz unterschiedlichen Kontexten, in ganz anderen Lebensbereichen. Und trotzdem merkt man so: irgendwie kommt mir das bekannt vor.
 
Ich finde das extrem spannend, denn ich denke, genau hier liegt oft der Knackpunkt, um Probleme und Hindernisse auf einer tieferen Ebene wirklich für uns zu lösen.
 

Die Freundschaft verändert sich

Ich denke mal, das hast du dir irgendwie schon gedacht. Aber hier nochmal ein kurzer Abschnitt dazu: Ja, ich finde, ein Journal-Mentoring verändert die Freundschaft. Nicht schnell und brutal, aber langsam und sanft. Jetzt kann man natürlich sagen, alles verändert sich stetig und das stimmt auch. Ich meine hier eine sehr positive Veränderung.
 
Ich würde definitiv behaupten, dass ich eine Freundschaft auf dieser Ebene so noch nicht hatte. Es ist erstaunlich, wie eng wir doch sind und dabei haben wir uns fast ein Jahr nicht gesehen. Wir bekommen so viel mit aus dem Leben der anderen und das so kontinuierlich, dass wir auch viele Veränderung in ihrem Leben sehen und mitverfolgen dürfen. Es macht fast ein bisschen süchtig, die Geschichte jeden Sonntagabend weiterlesen zu dürfen.
 
 
 
Ich würde mich riesig freuen, wenn ich damit inspirieren konnte ein Journal-Mentoring oder auch ein ähnliches Projekt selbst mal zu starten und auszuprobieren. Und falls du das sogar selbst schon gemacht hast, teile super gerne auch deine Erfahrungen zu diesem Thema in den Kommentaren.
 
Alles Liebe!
Katharina
 
 
 

(Titelbild: Mira Pusch)