Für mich ist das intuitive Schreiben eines der wertvollsten Selbstcoaching-Methoden, die es gibt. Über mehr als fünf Jahre schreibe ich nun alles, was mich gerade beschäftigt und bin immer wieder erstaunt, was ich alles darin entdecken kann. Vielen Freunden und Bekannten habe ich diese Form der schriftlichen Reflexion schon empfohlen und bekomme immer wieder wundervolles Feedback dazu.

Intuitives Schreiben ist neben seinen bekannteren Geschwistern wie dem Dankbarkeitsjournal, dem Zieljournal oder auch dem Traumjournal eine weitere Form des Journalens. Das übergeordnete Thema das intuitiven Schreiben ist, wie der Name schon sagt, die eigene Intuition. Denn beim intuitiven Schreiben verbindest du dich wieder mit deiner Intuition und hörst deiner Seele zu.

In diesem Artikel erkläre ich, was das intuitive Schreiben ist und wie du das intuitive Schreiben für dich nutzen kannst.

Was ist intuitives Schreiben?

Intuitives Schreiben ist eine Form der schriftlichen Reflexion. Im ersten Schritt gibt es beim intuitiven Schreiben keine Einschränkung auf spezielle Themen oder Lebensbereiche, wie das bei anderen Journal-Typen der Fall ist. Die Idee des intuitiven Schreiben ist es sich zunächst weder thematisch noch gedanklich in irgendeiner Form einzuschränken oder zu zensieren. Denn das Ziel ist es genau das aufzuschreiben, was gerade da ist.

Für die ein oder andere mag das zunächst etwas befremdlich oder aber vielleicht auch zu „einfach“ klingen. Du fragst dich jetzt möglicherweise: Was soll das sein „was gerade da ist“? – Genau das. Zum Beispiel genau diese Frage. Denn die ist gerade in deinen Gedanken und der Sinn des intuitiven Schreibens ist es, genau das aufzuschreiben. Das woran du denkst, was du in diesem Moment fühlst und was dir gerade in den Sinn kommt.

Wenn das für dich jetzt zu simpel klingt, probiere es aus, bevor du es bewertest! Mach es einfach mal. Schreib zwei Seiten mit allem, was gerade da ist und dann schau mal, was passiert.

Das Geheimnis des intuitiven Schreibens passiert beim Schreiben selbst. Genau in dem Moment, wenn wir beginnen in den Fluss zu kommen und einfach zu schreiben, weil wir schreiben. Keine Angst, wenn du jetzt denkst, dass du beim Schreiben niemals in den Fluss kommst, es gibt ein paar Techniken, die dir dabei helfen (Wie du mit dem intuitiven Schreiben startest – 3 Methoden und 10 Tipps). Das Schreiben wird dann zu einer Art Meditation – eine Schreibmeditation – in der wir uns wieder mit unserem Unterbewusstsein und unserer eigenen Intuition verbinden.

In dieser Art des Schreibens liegt, meiner eigenen Erfahrung nach, das größte Potenzial überhaupt. Zwischen als denn Worten, Sätzen und Gedanken, all den Gefühlen, Ideen, Wünschen und Träumen liegt die Magie und eine unfassbare Chance sich selbst wieder zu finden und ganz bei sich anzukommen. Vertrau mir und probiere es aus!

Wie funktioniert das intuitive Schreiben?

Ich bin oft dazu verführt zu sagen, dass intuitives Schreiben einfach ist. Das finde ich aber nicht ganz richtig, ich finde das Wort unkompliziert treffender. Denn es ist tatsächlich sehr unkompliziert. Du brauchst nicht mehr als Stift und Papier, dich selbst, etwas Zeit und einen ruhigen Ort. Du machst nicht viel mehr als einfach drauf los zu schreiben. Ob das jetzt tatsächlich „einfach“ ist, muss jede für sich selbst wissen. Der einen fällt es leichter, der anderen nicht so. Manchmal ist es auch einfach die Übung.

Ich finde den Vergleich mit Meditation hier sehr schön. Ist Meditation einfach? In gewisser Weise ja, denn du musst dafür nicht viel tun und gleichzeitig kann genau das zu einer riesigen und scheinbar unüberwindbaren Aufgabe werden. Intuitives Schreiben ist, wie oben schon beschrieben, eine Schreibmeditation.

Das intuitive Schreiben gliedert sich grob in drei Phasen.

1. Phase: Planung der Routine

Jede Form des Journalens kann erst dann ihr volles Potenzial entfalten, wenn du es über einen längeren Zeitraum regelmäßig machst. Für Frauen empfehle ich (im Prinzip für jede neue Routine) einen Mindestzeitraum von vier Wochen. Wenn dich das genauer interessiert, ließ mehr in meinem Artikel Warum Frauen eine Journal-Routine mindestens 4 Wochen durchhalten sollten.

Das Ziel ist es also mindestens vier Wochen durchzuhalten. Damit das klappt, lohnt es sich, wenn du dir vor dem Start genau überlegst, wie du deine neue Routine für vier Wochen durchhältst. Mach dir einen konkreten Plan und überlege dir, was du dafür brauchst, welches Material du nutzen möchtest und wie du dir die Zeit dafür einteilst. Tipps und Anleitungen für deine Journal-Routine, findest du in meinem Artikel Wie du deine Journal-Routine findest, die zu dir passt.

2. Phase: Schreiben und alles rauslassen

In der zweiten Phase geht es los. Du schreibst! Alles, was in diesem Moment da ist. Schreibe ganz intuitiv heraus, was in dir vor sich geht. Wichtig ist, nicht zu bewerten. Lass dich überraschen, kritisiere dich nicht und lass es einfach fließen. Auch wenn es dir am Anfang vielleicht komisch oder sinnlos vorkommt, was du schreibst, lass alles da sein. Das ist okay. Es geht nicht darum, dass du perfekte Texte schreibst. Es geht darum, dass du schreibst und zwar genau so, wie es dir in den Sinn kommt.

Keine Angst, wenn die ersten Tage etwas holprig sind. Fahrrad fahren konntest du auch nicht beim ersten Mal. Lass dich nicht entmutigen und sieh es als Übung. Gerade wenn du in deinem Alltag nicht besonders viel schreibst oder auch reflektierst, braucht es vermutlich erst eine kleine Eingewöhnungszeit. Gestehe dir diese Zeit zu und sei geduldig mit dir selbst.

Zu Beginn empfehle ich, tatsächlich das zu schreiben, was du gerade denkst. Einfach frei raus. Wenn du nicht weißt, was du schreiben sollst, schreibe „Ich weiß nicht, was ich schreiben soll.“ Wenn du diese Übung in Frage stellst, schreibe alle deine Zweifel dazu. Sei ehrlich, sei absolut ehrlich mit dir und mit deinen Worten. In einem separaten Artikel habe ich drei Methoden und zehn Tipps für den Start mit dem intuitiven Schreiben zusammengefasst.

Später kannst du in dem Prozess des intuitiven Schreibens auch einen Fokus setzen und dich gezielt mit einem Thema beschäftigen. Wenn du geübt bist im Schreiben und keine Angst hast, die Seiten nicht füllen zu können, kannst du auch direkt damit loslegen. Sonst versuche es zunächst ohne jeglichen Filter und schreibe deine Gedanken unsortiert und vollkommen ungefiltert heraus.

Halte diese Phase mindestens vier Wochen durch. Ich empfehle, die geschriebenen Texte in dieser Zeit auch nicht zu lesen – besonders wenn du gerade erst mit dem intuitiven Schreiben beginnst. Schreib einfach nur und lass deine Texte anschließend ruhen. Sei geduldig und vollkommen offen und frei von Erwartungen. Es geht in dieser Zeit nur ums Schreiben.

3. Phase: Lesen und verarbeiten

In der dritten Phase geht es darum das Geschriebene zu lesen. Wenn du also gerade erst mit dem intuitiven Schreiben anfängst, startet diese Phase erst vier Wochen nachdem du mit dem Schreiben begonnen hast. Wenn du das intuitive Schreiben schon länger für dich nutzt und regelmäßig schreibst, kannst du diese dritte Phase von Zeit zu Zeit immer wieder durchführen und einen Teil deiner Texte lesen.

Beim Lesen der eigenen Texte passiert meistens sehr viel mehr als nur das Lesen. Denn durch das Lesen arbeiten wir nach und nach in dieser dritten Phase, die Zeit, in der wir geschrieben haben auf. Wir reflektieren diese Zeit ein zweites Mal. Dabei können wir so vieles aus unseren Worten lernen und ganz aktiv nutzen, was wir dort finden.

Das Journalen durchs intuitive Schreiben hat somit gleich zweimal einen Nutzen. Einmal beim Schreiben, um die Gedanken aus dem Kopf zu bekommen und gegebenenfalls auch zu sortieren. Das zweite Mal beim Lesen, wenn wir aus einem anderen Blickwinkel noch einmal auf die Zeit zurückblicken, in der wir geschrieben haben.

Es gibt verschiedene Wege sich mit dem Geschriebenen auseinander zu setzen. Ich möchte dir hier ein paar Anregungen dazu geben. Die Liste hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Vielleicht kommen dir ja beim Lesen deiner Texte auch noch Ideen, was du mit den Texten anstellen könntest oder wie du daraus einen Nutzen für dich ziehen kannst. Schreibe mir deine Ideen und Erkenntnisse gerne in die Kommentare.

Lesen und schauen, was kommt: Wenn du Überraschungen magst, ließ einfach mal drauf los. Du musst deine Texte auch nicht in chronologischer Reihenfolge lesen. Schlag dein Journal zum Beispiel willkürlich auf einer Seite auf und beginne zu lesen. Beim lesen kommen dir möglicherweise neue Gedanken, Ideen oder Erkenntnisse. Es lohnt sich auch das wieder aufzuschreiben 😉

Gezielt Erkenntnisse herausarbeiten: Wenn du lieber systematisch durch die letzten vier Wochen durchgehen möchtest, ließ dir jeden Tag noch einmal achtsam durch. Formuliere danach deine Erkenntnis oder dein Learning aus diesem Tag. Was hast du an diesem Tag lernen dürfen? Zum Abschluss kannst du alle Erkenntnisse zu den einzelnen Tagen auf drei Haupterkenntnisse zusammenfassen. Welche drei Erkenntnisse durftest du in den letzten vier Wochen lernen?

Themen sammeln: Besonders wenn du das Gefühl hast, etwas den Überblick in deinem Leben verloren zu haben, lohnt es sich mit Hilfe deines Journalens deine aktuellen Themen zusammenzutragen. So kannst du dir einen guten Überblick darüber verschaffen, welche Themen gerade sehr präsent sind in deinem Leben. Erstelle zum Beispiel eine Liste mit allen Themen, die du in deinem Journal finden kannst und mache einen Striche hinter Themen, die zum wiederholten Mal auftauchen. So kannst du direkt erkennen, welche Themen am häufigsten von dir genannt wurden.

Thema deines Zyklus: Solltest du dich bereits mit dem Zyklusjournal beschäftigt haben, bietet das intuitive Schreiben eine gute Möglichkeit aus den häufigsten Themen, das Thema deines Zyklus heraus zu kristallisieren.

Fragen in deinem Leben: Manchmal kommt es vor, dass du beim intuitiven Schreiben mehr Fragen als Antworten in dein Journal schreibst. Solltet dich das enttäuschen, weil du nicht noch mehr Fragen, sondern lieber Antworten wolltest, kann ich dich beruhigen. Diese Fragen sind eines der wertvollsten Dinge, die du in deinem Journal finden kannst. Denn sie bieten eine unglaublich gute Basis, um damit weiterzuarbeiten. Sammel deine Fragen zusammen (die, auf die du bist jetzt noch keine Antwort hast). Nutze diese Fragen, um sie zum Fokus deiner kommenden Wochen im intuitiven Schreiben zu machen.

Lebensrad füllen: Wenn du das Gefühl hast, dass du viele verschiedene Themen und Lebensbereiche in deinem Journal finden kannst und sich das alles überhaupt nicht auf einen Konsens zusammenführen lässt, ist ein Lebensrad möglicherweise die beste Form der Verarbeitung für deine Journalinhalte. Wie du dein Journal mit Hilfe des Lebensrad auswerten kannst, erkläre ich in meinem nächsten Artikel. 

Geschriebenes teilen: Du kannst deine Journal-Einträge auch mit anderen Personen teilen und mit ihnen gemeinsam nach Erkenntnissen, Themen, Lösungen und Ideen suchen. Das kannst du zum Beispiel in der Form eines Journal-Mentorings machen oder auch in einem Gruppenjournal. Zu beiden Themen gibt es bereits ausführliche Blogartikel hier auf writingtrees.

 

Falls du noch keine regelmäßige Journal-Routine hast, ließ hier, wie du deine Journal-Routine findest, die zu dir passt.

Schreib mir gerne, wie das intuitive Schreiben bei dir abläuft und ob du schon erste Erkenntnisse daraus ziehen konntest.