in letzter Zeit beschäftige ich mich viel mit dem Thema Wald. Ich liebe den Wald. Aber der Wald auf der ganzen Welt ist stark gefährdet. Gleichzeitig ist er einer unserer wichtigsten Verbündeten im Kampf gegen den Klimawandel. Genau aus diesem Grund möchte ich heute auf das Thema Holz in der biophilen Raumgestaltung und auch allgemein die Nutzung von Holz in unserem Alltag einmal eingehen.
 
Ich empfehle in meinen Blogartikeln ja immer auch wieder Naturmaterialen zu nutzen u. a. eben auch Holz. Dennoch zwingt mich mein neu gewonnenes Wissen der letzten Tage, diese Aussage zu hinterfragen. Aktuell möchte ich diese Aussage so nicht stehen lassen. Deswegen hier ein bisschen mehr Klarheit zum Thema Holz in der Raumgestaltung.
 

Holz in der Raumgestaltung – nachhaltig oder …?

Holz ist für mich nach wie vor ein wunderbares Material, um Innenräume möglichst naturnah zu gestalten. Und ich bin mir sicher, dass es vielen von euch genau so geht. Holz ist einfach wunderschön, mit seiner individuellen Maserung, seinen unterschiedlichen Formen und Möglichkeiten der Verarbeitung. Es lässt sich für vieles einsetzen und kann dem Zuhause nicht nur eine rustikale, sondern auch sehr elegante, wohlige oder natürliche Atmosphäre verleihen.
 
Dennoch ist es aktuell so, dass wir weltweit einfach viel zu viel Holz aus dem Wäldern entnehmen. Das betrifft nicht nur die Regenwälder, sondern auch die Tundra und unsere heimischen Wälder. Überall werden jedes Jahr viel zu viele Bäume gefällt, die anschließend zu Holzmöbeln, Brennholz oder Papier verarbeitet werden.
 
Holz ist grundsätzlich ein nachhaltiger Rohstoff, denn er wächst wieder nach. Wenn wir aber stetig mehr entnehmen als nachwachsen kann, ist auch die Nutzung von Holz nicht mehr nachhaltig. Und genau an diesem Punkt befinden wir uns bereits. Wenn wir Holz auch noch als Brennholz verwenden, geht die Rechnung der Nachhaltigkeit erst recht nicht mehr auf. Denn wir pusten CO2 und Feinstaub sehr viel schneller zum Kamin hinaus als beides durch neue Bäume wieder gebunden werden kann.
 

Wie viele Bäume sind ein Wald?

Hinzu kommt, dass zwar rund um den Globus einige Flächen, die durch die Abholzung frei werden und die nicht mit Soja oder Mais bestellt werden, zwar wieder mit Bäumen bepflanzt werden. Aber ist das bereits ein Wald? Hier handelt es sich häufig, um Monokulturen aus Ölpalmen, Fichten oder Kiefern, die dann in einer Plantage bewirtschaftet werden. Diese Plantagen bestehen zwar grundsätzlich aus Bäumen, doch sind diese Plantagen bei weitem kein Wald. Sämtliche Strukturen und Kreisläufe eines natürlichen Waldes fehlen hier oder werden durchbrochen. Durch die regelmäßige Bearbeitung dieser Flächen mit schweren Maschinen wird zunehmend der natürliche Waldboden zerstört, so dass die natürliche Wasserspeicherfunktion des Waldes vernichtet wird. 
 
Auch wenn Wälder durch die Holzindustrie nicht komplett abgeholzt, sondern nur einzelne Bäume entfernt werden, sind es häufig zu viele, um das Ökosystem eines natürlichen Waldes weiter aufrecht erhalten zu können. Auch hier schadet die Bearbeitung mit schweren Maschinen dem Boden und verringert so die Kapazität für die Speicherung von Wasser. All das hat negative Folgen für das Ökosystem Wald.
  

Was wir über Holz und Wälder nicht wissen

Auch wenn das Ökosystem Wald bereits viel erforscht wurde und nach wie vor wird, wissen wir lange noch nicht alles. Deswegen können wir auch nur schwer abschätzen, welche Folgen es haben kann, wenn immer mehr Wald zerstört wird. Sicher ist aber, dass es Auswirkungen geben wird und die meisten werden sich wohl eher negativ auf unseren Planten und das Fortschreiten der Klimakrise auswirken. Besser wäre es also, es nicht darauf ankommen zu lassen.
 

Ideen für eine nachhaltige Nutzung von Holz

Heißt das, dass wir jetzt auf eine Nutzung von Holz komplett verzichten müssen? Nein, das denke ich nicht. Denn ein gesunder Wald kann durchaus auch Holz für uns zur Verfügung stellen. Die Frage ist, wie, wann und vor allem wie häufig das Holz geschlagen wird. Es gibt Ideen, Wege und Ansätze für eine nachhaltige und ökologische Forstwirtschaft. Darüber hinaus aber gibt es auch Wege, wie man auch den eigenen Konsum von beispielsweise Holzmöbeln nachhaltiger und umweltfreundlicher gestalten kann. Und damit kann jeder heute anfangen:

 

1. Sparsam mit Holz umgehen

Grundsätzlich hilft es schon, wenn wir mit dem Material Holz sparsamer umgehen, indem wir uns bewusst machen, wie lange es braucht bis die entsprechenden Bäume wieder nachgewachsen sind und auf das ein oder andere verzichten, weil wir es vielleicht gar nicht unbedingt brauchen.
 

2. Alte Holzmöbel upcyclen

Viele alte Holzmöbel lassen sich mit etwas Geschick wieder herrichten, umgestalten oder sogar für einen neuen Zweck umbauen. Das spart Geld und es müssen keine neuen Bäumen abgeholzt werden. Gleichzeitig kann du deiner Kreativität freien Lauf lassen und dir ein individuelles Stück gestalten. Auch aus alten Holzstücken, Holzbalken, Treibholz oder Baumstümpfen lassen sich wunderschöne Einrichtungselemente gestalten, ohne das dafür ein weiterer Baum sterben oder das Ökosystem Wald beschädigt werden muss.
 

3. Bewusst und überlegt kaufen

Besonders bei Holzmöbel lohnt es sich bewusst und überlegt zu kaufen. Überlege dir, wie lange du den Tisch, die Stühle, das Bett usw. nutzen und haben möchtest. Wirst du es bei deinem nächsten Umzug mitnehmen oder eher nicht? Wie lange wirst du Freude daran haben und wie gut passt es wirklich in deine Wohnung? Brauchst du wirklich etwas Neues oder geht das Alte auch noch? Ganz grundsätzlich ist diese Überlegung aber bei jeder neuen Anschaffung hilfreich und sorgt für ein viel bewussteres und nachhaltigeres Konsumieren (wenn wir dabei ehrlich zu uns selbst sind).
 

4. Informieren, woher das Holz kommt

Es ist nicht immer ganz einfach, herauszufinden, woher das Holz stammt, dass in Möbeln verbaut wurde. Trotzdem lohnt es sich meiner Meinung nach sich damit einmal zu beschäftigen und ggf. auch nachzufragen, woher das Holz stammt. Denn so schaffen wir nicht nur bei uns selbst eine Bewusstheit darüber, welche Wälder und Bäume für unseren Neukauf abgeholzt werden müssen, sondern zeigen auch Unternehmen, dass es uns interessiert und wichtig ist, dass Holz aus nachhaltigen und ökologischen Forstwirtschaften kommt.
 

5. Gebraucht kaufen und in Würde altern lassen

Bevor du etwas neu kaufst, kannst du überlegen, ob du dieses oder jenes nicht auch gebraucht kaufen kannst. Viele Holzmöbel gewinnen gerade mit dem Alter an Charme wie beispielsweise alte Bauernschränke, Truhen oder Regale. Viele Holzmöbel halten viele Jahre und Jahrzehnte. Es lohnt sich sie hin und wieder zu pflegen, zu reparieren und in Würde altern zu lassen. Wenn du ein Holzmöbelstück aber wirklich nicht mehr brauchst oder haben möchtest, kannst du schauen, wem du damit noch eine Freude machen kannst – durch verkaufen oder verschenken.
 

6. Andere Naturmaterialen nutzen

Für ein natürliches und naturnahes Zuhause kannst du dir auch überlegen, ob sich nicht auch andere Naturmaterialen für deine Einrichtung eignen. Möglicherweise gibt es eine gute Alternative zu Holz, wie Bambus, Rattan, Kork oder Stein.
 

7. Holz absolut sparsam verheizen

Holz verheizen wir oft als nachhaltige Alternative verkauft. Dennoch geht diese Rechnung nicht auf. Denn wir verbrennen viel schneller als Bäume nachwachsen können. Außerdem führt die Verbrennung von Holz zu einer hohen Feinstaubbelastung vor allem in Ballungsgebieten, wo viele Menschen mit Holz heizen. Das belastet unsere Gesundheit und auch die Natur. Holz deswegen unbedingt sparsam verheizen oder es ganz lassen.
 
Das waren meine Tipps zu einem nachhaltigen Konsum von Holz. Vielleicht hast du ja noch mehr Ideen oder Tipps?
 
Wie bereits zu Beginn erwähnt, liebe auch ich Holz in der Einrichtung. Trotzdem denke ich, dass wir bei allen, was wir tun und vor allem konsumieren die weitreichenden Auswirkungen im Blick haben sollten. Und ich gebe zu, auch ich war mir darüber bisher nicht so sehr bewusst und bin es vermutlich in vielen Punkten auch immer noch nicht. Trotzdem heißt das nicht, dass wir uns ab jetzt komplett einschränken und auf alles verzichten müssen. Oft reicht es, wenn jeder einen kleinen Schritt macht und schon verändert sich etwas.
 
Ich denke – wie gesagt – auch nicht, dass wir komplett auf das Naturmaterial Holz verzichten müssen, denn es gibt bereits Wege, wie wir Holz nachhaltig nutzen und verwenden können. Wichtig ist aber in meinen Augen, ein Bewusstsein dafür zu schaffen. Denn wir alle brauchen den Wald. Egal, ob wir gerne dort sind oder nicht.
 
Ich würde mich sehr freuen, wenn du aus diesem Blogartikel etwas für dich mitnehmen konntest.
Ich freue mich wie immer über Feedback in jeder Form.
 
Alles Liebe
Katharina
 
P.S.: Für mehr Informationen hört unbedingt mal in den Podcast von Peter Wohlleben. Und wer den Wald gerne unterstützen möchte, kann dies z. B. beim WWF, im Regenwaldschutzprojekt oder im Urwaldprojekt tun.