Du hast so richtig Lust mehr Natur zu dir nach Hause zu holen. Deine Räume absolut biophil zu gestalten und dich darin so richtig wohlzufühlen. Dein Problem: Du hast einfach keine Ahnung, wo du überhaupt anfangen sollst. Du siehst tausend Baustellen, bist ziemlich unzufrieden und hast wenige Ideen, wie du etwas verändern kannst. Dann habe ich hier fünf Schritte für dich, wie du mit biophiler Raumgestaltung anfangen kannst. Ganz von Anfang an. 
 
Die Reihenfolge der ersten drei Schritte ist relativ variabel. Bei mir geht das oft Hand in Hand. Schau einfach für dich, wo du hier starten möchtest. Schritt vier ist definitiv ein Schritt, mit dem jeder von uns immer starten kann.
 

1. Bewusst wahrnehmen und beobachten

 
Für mich ist der erste Schritt immer, die aktuelle Situation in meinem Raum wahrzunehmen und zu beobachten. Für diesen Schritt kannst du dir auch ruhig ein paar Tage Zeit nehmen. Achte ganz besonders darauf, wie du dich fühlst. Beobachte, wie dein Raum sich auf deine Stimmung auswirkt. 
 

Leitfaden zum Beobachten

Ich habe hier ein paar Fragen für dich gesammelt, die dir dabei helfen können, deinen Raum besser wahrzunehmen und zu beobachten:
 
  • Wie fühlst du dich in deinem Raum?
  • Welche Stimmung löst dein Raum in dir aus?
  • Was fällt dir auf in deinem Raum?
  • Was stört dich?
  • Was freut dich oder gefällt dir besonders gut?
  • Warum fühlst du dich wohl oder unwohl?
 
Wenn du mehrere Räume hast, die du gerne umgestalten möchtest, empfehle ich dir, dich zunächst auf einen Raum zu konzentrieren und dir auf jeden Fall für jeden Raum separat Zeit zu nehmen.
 
Um mit deinen Beobachtungen und Erkenntnissen danach noch gezielter weiter zu arbeiten, kann es Sinn machen, wenn du dir ein paar Notizen dazu aufschreibst.
 

Der erste Schritt biophiler Gestaltung

Ich selbst bin genau mit diesem ersten Schritt in meine biophile Gestaltung gestartet. Und ich sitze immer noch oft an einer Stelle im Raum und lasse den Raum einfach auf mich wirken. Ich schaue, welche Ideen und Veränderungswünschen in mir hochkommen. 
 
Natürlich ist nicht immer jede Idee (sofort) umsetzbar. Hinzu kommen auch häufig noch praktische Ansprüche an einen Raum wie beispielweise Platz zum Verstauen. Aber in diesem aller ersten Schritt geht es erstmal darum ein Gefühl für deinen Raum zu entwicklen. Zu erkennen, wie der Raum aktuell wirkt und was dir davon gut tu und was dir nicht so gut tut.
 

Veränderungen im Raum

Beobachte auch, wie sich deine Räume im Jahres und Tagesverlauf verändern. Wie verändert sich beispielsweise das Licht im Raum? Wie verändern sich Temperatur und der Blick aus dem Fenster? Du musst dafür nicht ein Jahr lang beobachten. Wenn du deinen Raum schon länger kennst, kannst du dich vielleicht erinnern, wie sich die Lichtintensität zwischen Sommer und Winter verändert. 
 
Falls du deinen Raum noch nicht lange kennst, kannst du möglicherweise Gegebenheiten wie Himmelsrichtung, Sonnenstand und aktuelle Jahreszeit kombinieren und dir vorstellen, wie dein Raum sich in ein paar Monaten anfühlen wird. Informiere dich dazu über den Lauf der Sonne, halte Ausschau, wo Bäume vor deinem Fenster stehen und prüfe, was möglicherweise Schatten in deinen Raum werfen könnte.
 

Immer wieder den ersten Schritt machen

Ich mache diesen Schritt – beobachten und wahrnehmen – immer und immer wieder. Einfach mal zwischen durch. Auch wenn ich gar nicht so sehr das Bedürfnis danach habe, den Raum umzugestalten. Ich mache mir eine Tasse Tee und setze mich einfach an einen meiner Lieblingsplätze im Raum und beobachte für eine Weile. Lasse alles auf mich wirken und schauen, welche Gedanken mir dabei so kommen. 
 
Meistens kommen mir dabei neue Idee für eine noch biophilere Gestaltung. Nicht immer habe ich die Zeit sie direkt umzusetzen. Deswegen ist für mich die beste Lösung diese Ideen aufzuschreiben. So kann ich später durch meine Ideen blättern und schauen, was davon ich gerne umsetzen würde und oder was vielleicht auch nicht mehr zu mir und meinem Leben passt.
 

Du hast zu viele Ideen und Wünsche?

Falls dir bei diesem Schritt direkt sehr viele Ideen kommen und du dir aber denkst, dass das jetzt alles gar nicht geht, ist das wunderbar. Schreib sie dir auf, dann läufst du weniger Gefahr sie zu vergessen und kannst sie zu einem späteren Zeitpunkt wieder rausholen. Auch wenn du aktuell nicht die finanziellen Mittel, nicht den Platz oder nicht die Zeit hast alles umzusetzen, irgendwann kommt der Moment und du bist froh, wenn du auf deine Ideenliste schauen und direkt loslegen kannst.
 
Es lohnt sich übrigens auch zunächst unrealistische und verrückt klingende Ideen aufzuschreiben. Vielleicht erscheint es dir aus deiner aktuellen Sicht nicht realistisch diese Ideen einmal umzusetzen, aber in einem Monat, einem Jahr oder auch zwei Jahren kann das alles schon ganz anders aussehen.
 

Du hast keine Ideen für biophilere Räume?

Es kann auch passieren, dass im ersten Moment … gar keine konkrete Idee kommt. Auch das ist vollkommen okay. Setz dich nicht unter Druck. Es gibt jede Menge Inspiration z. B. auf meiner Pinterest Pinnwand. Hier habe ich wunderschöne Bilder biophil gestalteter Räume für dich gesammelt. Es geht dabei nicht um die Beiträge hinter den Bildern, sondern darum sie als eine Art Moodboard zu verwenden. Lass sie auf dich wirken und gib dir selbst ein bisschen Zeit z. B. indem du mit einem der nachfolgenden Schritte startest.
 

2. Wie kann dein Raum dir dienen

Ein Raum ist für mich immer dann optimal gestaltet, wenn er den Menschen, die in ihm leben, dient. In diesem zweiten Schritt geht es darum zu erkennen, was du oder auch ihr als Familie, Paar oder Lebensgemeinschaft braucht. Stelle dir also die Frage: Wie kann mein Raum mir dienen?
 

Fragen, die dich unterstützen

Ich habe dir auch für diesen zweiten Schritt ein paar Fragen gesammelt, die dir dabei helfen können zu verstehen, wie dein Raum dir oder euch am besten dient:
  • Was soll in meinem Raum stattfinden?
  • Welchen Nutzen soll mein Raum erfüllen?
  • Welchen Aktivitäten möchte ich in meinem Raum nachgehen?
  • Welche Personen teilen sich diesen Raum?
  • Wofür nutze ich meinen Raum aktuell am meisten und wofür würde ich ihn gerne vorrangig nutzen?
 
Sehr wahrscheinlich werden dir nun mehrere Aufgaben deines Raums einfallen, mit denen er dir oder euch dient. Und das ist absolut fein. Die meisten Räume haben mehr als eine Aufgabe, wie sie uns dienen. Schreibe dir am besten alles auf, was dir einfällt, damit du nichts vergisst.
 

Sortieren und Priorisieren

Anschließend ist es gut, wenn du deine gesammelten Aufgaben sortierst und priorisierst. Entscheide für dich, was ist die wichtigste Aufgabe, die dein Raum zu erfüllen hat. Was aus deiner Sammlung ist vielleicht weniger wichtig oder kommt auch weniger häufig vor.
 
Ich teile hier auch gerne noch die Liste der Aufgaben für unser Wohnzimmer mit dir und wofür es uns dienen soll. Deine Liste kann natürlich vollkommen anders aussehen. Sieh es als Inspiration.
 
Beispiel der Aufgaben von unserem Wohnzimmer:
  • Platz zum Essen – jeden Tag
  • Raum für Entspannung nach der Arbeit – fast jeden Tag
  • Platz zum Handarbeiten – mehrmals die Woche
  • Platz für Sport – Tanzen, AcroYoga, Flow Dance – wofür wir viel Platz brauchen – mehrmals die Woche
  • Besuch von Familie und Freunden, die sich wohlfühlen sollen – alle paar Wochen
  • Platz für Geburtstagspartys, Osterbrunch und Adventsfeiern – alle paar Monate
  • Gemütlicher Fernsehabend – alle paar Monate

 

3. Erforsche deine innere und äußere Natur

Das Ziel biophiler Gestaltung ist es, mehr Natur in deinem Lebensraum zu integrieren. Deine Räume sollen natürlicher und naturnäher gestaltet sein. Dabei sind „natürlich“ und „naturnah“ sehr große Begriffe. Denn was das genau bedeutet, muss jede/r für sich selbst herausfinden. Was bedeutet für dich verbundener mit der Natur zu leben? Oder deine Räume nah an der Natur zu gestalten? Wie empfindest du deine innere Natur? Und wie bringst du diese am besten zum Ausdruck?
 
Wir alle sind ein Teil der Natur und die Natur ist ein Teil von uns. Deswegen geht es in diesem Schritt sowohl um die äußere, sichtbare Natur, aber auch um deine innere Natur und wie du diese ausdrücken kannst.
 

Fragen zu deiner inneren und äußeren Natur

Auch für diesen Schritt habe ich ein paar Fragen für dich, die dir dabei helfen sollen deine innere und äußere Natur zu erforschen. Es geht dabei vor allem um zwei Dinge. Erstens deine Verbindung zur äußeren, sichtbaren Natur zu verstehen. Und zweitens um deine innere Natur und wie du diese für dich zum Ausdruck bringst.
 
Deine Verbindung zur äußeren Natur:
  • Was aus der Natur gibt dir Kraft?
  • Was in der Natur tut dir besonders gut? 
  • Gibt es Pflanzen, die du besonders magst oder Naturmaterialen, die dir sehr gut gefallen?
  • Wo sind deine Lieblingsplätze in der Natur? Kannst du sagen, warum?
  • Was aus der Natur geht aktuell am meisten in Resonanz mit dir?
  • Was inspiriert dich?
  • Wo in der Natur kommen dir die besten Ideen und Einfälle?
  • Wo verspürst du eine innere Ruhe und Geborgenheit?
 
Deine innere Natur:
  • Welche Werte möchtest du durch deine Gestaltung zum Ausdruck bringen? (Beispiele: Nachhaltigkeit, Natürlichkeit, Naturverbundenheit, Verbindung, Wachstum, Rhythmus, Kreativität …)
  • Was ist dir persönlich ganz besonders wichtig?
  • Wie würdest du deine innere Natur beschreiben?
  • Wer möchtest du sein auf dieser Welt?
  • Welchen Beitrag möchtest du leisten auf dieser Welt?
  • Was möchtest du dieser Welt gerne geben?
  • Was brauchst du, um voller Energie zu sein?
  • Was aus deinem inneren möchtest du Ausdruck verleihen? (z. B. deiner Weiblichkeit, deiner Kreativität, deiner Liebe zu Pflanzen, der künstlerischen Seite)
 
Schreibe dir auch diese Antworten sehr gerne auf, um später damit weiter zu arbeiten.
 

Nur du kennst die Antwort

Nimm dir Zeit, um dich wirklich mit dir selbst zu beschäftigen. Niemand kann dir sagen, was perfekt ist für deinen Raum. Nur du kannst das. Aber dazu musst du wissen, was du willst und was dir gut tut. Damit du anschließend genau in diese Richtung gehen kannst.
 
Gib deiner Persönlichkeit Ausdruck. Es tut uns so gut, wenn wir uns durch unsere Räume Ausdruck verleihen können. Lass dich selbst mit in deine Räume einfließen. Lass deine Natur mit in deine Räume einfließen und das, was du aussagen willst, was du aus dir herausgeben möchtest. Nimm den Raum ein, als deinen Raum. Es ist nicht der Raum von irgendwem, sondern von dir und da darfst du auch zeigen.
 

4. Schaffe Raum für Neues

Wenn du alle Fragen bis hier hin schon beantwortet hast, hast du jetzt sicher schon jede Menge Ideen, was du gerne anders machen würdest oder womit du gerne loslegen möchtest. Dann gedulde dich noch einen Moment. Vielleicht hast du aber auch noch keine einzige Antwort und noch gar keine Idee bis hier her. Auch das ist vollkommen in Ordnung. Denn diesen Schritt kannst du machen, völlig unabhängig davon, ob du bereits Antworten für dich gefunden hast oder nicht.
 
Ich nutze diesen Schritt des Platz Schaffens auch sehr gerne, um währenddessen Antworten zu finden. Für mich lässt sich das wunderbar kombinieren. Und vielleicht bist du ja auch ein Mensch, dem beim aktiven Machen die besten Ideen kommen.
 

Aufräumen, ausmisten, loslassen

Bevor du also damit beginnst alle deine Ideen jetzt umzusetzen (oder verzweifelt weiter nach Antworten zu suchen), fange damit an Raum für Neues zu schaffen. Denn nur wo Raum ist, kann auch Neues entstehen.
 
Räume auf, miste aus und lass alles los, was du nicht mehr brauchst. Es ist viel leichter etwas Neues zu integrieren, wenn du Platz dafür hast und der Raum frei ist. Das heißt nicht, dass du jetzt alles weggeben und deine komplette Einrichtung ersetzen musst. 
 
Aber überlege dir, 
  • was vielleicht schon lange überfällig ist
  • eh nur im Weg umgeht
  • dir keine wirklich Mehrwert bringt 
  • und jetzt endlich weg kann. 
 
Aufräumen und Ausmisten sind ganz nebenbei auch sehr schöne Aufgaben, um sich aktiv mit einem Raum zu beschäftigen und so Antworten auf die Fragen oben zu finden. Wenn erstmal Platz entsteht, entsteht auch Raum für neue Ideen, für Möglichkeiten und für Träume. Gönn dir diesen Raum. Schaffe Platz und schau, was kommt.
 

5. Beginne mit dem ersten Schritt

Wenn du die ersten vier Schritte bis hier hin gelesen und umgesetzt hast, gehe ich davon aus, dass du jetzt definitiv eine erste Idee hast, was du in deinem Raum verändern könntest. Und wenn das nur eine Kerze, neue Kissenbezüge, ein anderer Vorhang oder eine neue Zimmerpflanze ist.
 
Das Wichtigste nach all deinen Überlegungen und Vorbereitungen ist es nun an einer Stelle zu starten. Die Betonung liegt hier ganz klar auf EINER und STARTEN.
 

Fang einfach an

Für deinen ersten Schritt musst du noch kein Gesamtkonzept für den kompletten Raum haben. Fang an einer Stelle an, deinen Raum biophiler zu gestalten. Schaffe dir einen Startpunkt, von dem aus du Schritt für Schritt weitergehen kannst. Du kannst beruhigt sein, denn damit du nichts von deinen Ideen und Träumen vergisst, hast du ja alles aufgeschrieben.
 

Es darf einfach sein

Der erste Schritt darf ruhig der einfachste sein. Kauf dir die schöne Schüssel und füll sie mit Kastanien. Bestell dir das Bild vom Berggipfel auf Leinwand und hänge es in dein Wohnzimmer. Kauf dir eine Zimmerpflanze. Richte dir einen Platz mit deinem Lieblingssessel am Fenster ein. Oder schaffe dir eine biophile Ecke für Meditation und Yoga. Was immer es ist, fange am besten gleich heute an mit der Umsetzung. Und schaffe dir damit einen Anker, einen Startpunkt und einen ersten kleinen biophilen Ort, den du jederzeit für dich nutzen kannst.
 

Beginne deine Reise der biophilen Gestaltung

Auch meine Wohnung ist noch lange nicht fertig. Auch ich bin immer wieder am neu erfinden, nachjustieren und mich entfalten. Ich bin sicher, dass in meiner Wohnung noch ganz vieles kommen darf. Auch Räume dürfen sich verändern und immer wieder neu erfunden werden. Deswegen habe nicht den Anspruch an dich heute alles perfekt zu machen.
 
Ehrlich gesagt glaube ich, dass man mit einer naturnahen Gestaltung nie wirklich am Ende ist. Denn es kommen immer wieder neue Ideen und auch Wünsche an den Raum hinzu, während andere verschwinden. Alles ist ist stetig in Veränderung und das dürfen deine Räume auch sein. Zimmerpflanzen wachsen und wollen neue Räume einnehmen, genau so wie die Menschen in den Räumen äußerlich und innerlich wachsen und ihren Raum anders brauchen und nutzen wollen.
 
Dennoch entdecke ich, dass ich bei mir inzwischen schon eine Art Basis in der biophilen Raumgestaltung gefunden habe. Wenn sich diese Basis einmal eingestellt hat, ist es nicht so, dass wir jedes Mal wieder bei Adam und Eva anfangen und alles komplett neu gestalten. Bei mir zumindest gibt es inzwischen ein paar Dinge, die sich nicht mehr so schnell ändern werden. Einfach weil ich sehr zufrieden bin damit und sie gut in unser Leben passen. Ich möchte aber nicht ausschließen, dass sich irgendwann auch diese Dinge einmal wandeln dürfen.
 
 

Du willst mehr?

Das sind meine fünf Schritte für dich, um mit einer biophilen Gestaltung deiner Räume zu starten und mein erster Blogbeitrag zum Thema biophile Räume. Ich würde mich riesig freuen, wenn du mir dazu Feedback gibst und mir sagst, wie dir der Blogbeitrag, aber auch das Thema ganz allgemein gefällt. Ob meine fünf Schritte dir geholfen haben und ob du mehr Fragen rund um das Thema biophile Gestaltung von Räumen hast. 
 
Schreibe mir sehr gerne in die Kommentare oder per Mail an katharina[at]writingtrees.de. Ich freue mich von dir zu hören!
 
Hier wird es demnächst noch mehr rund um das Thema biophile Gestaltung von Räumen geben. Sei gespannt! 🙂