Einfach anfangen ist oft leichter gesagt als getan. Besonders beim intuitiven Schreiben, wo ja zunächst alles möglich und offen ist, ist es für einige gar nicht so leicht den Startpunkt zu finden. Es gibt im Prinzip keine Vorgaben und kaum Regeln und diese große Freiheit kann Angst machen.

Als ich selbst mit dem intuitiven Schreiben begonnen habe, habe ich mir selbst ein paar Regeln auferlegt. Diese Regeln waren mein eigener persönlicher Rahmen, der meine Disziplin aufrecht erhalten und mich unterstützt hat, wirklich loszugehen. Zu viel Freiheit und Möglichkeiten machen es nämlich manchmal gar nicht unbedingt leichter.

In diesem Artikel möchte ich dir 3 Methoden vorstellen, wie du das intuitiven Schreiben für dich beginnen kannst. Anschließend teile ich noch 10 Tipps mit dir, die mir damals bei meinem Start geholfen haben.

3 Methoden, um mit dem intuitiven Schreiben zu starten

Wie zu Beginn schon erwähnt, ist es sinnvoll sich einen eigenen Rahmen zu gestalten. Das passiert ganz einfach durch Regeln, die du dir für dich selbst definierst. Da das intuitive Schreiben besonders dann wirksam wird, wenn wir in den Schreibfluss kommen, sollten wir Regeln wählen, die uns genau in diesen Fluss bringen.

Um das gleich mal vorweg zu sagen, ja das ist wie bei allen anderen neuen Gewohnheiten – am Anfang braucht es Disziplin. Aber wenn du dir ein richtig gutes Warum für deine Journal-Routine überlegt hast, sollte das deine Motivation ausreichend hoch halten, um voll durchzustarten.

Hier drei Möglichkeiten, wie diese Regeln aussehen können:

1. Zeit vorgeben

Die erste Möglichkeit ist, dass du dir für deine tägliche Schreibpraxis einen festen Zeitraum vorgibst. Zum Beispiel nimmst du dir vor, jeden Tag 15 Minuten zu schreiben. Das bedeutet jedoch, dass du auch wirklich 15 Minuten durchschriebst. Nein, keine Pause. Einfach schreiben, egal, was kommt. Der Stift wird nicht vom Papier abgesetzt. Du wirst merken, dass du kreativ wirst, wenn du musst.

Dieser Ansatz eignet sich besonders gut, wenn du jeden Tag nur ein eingeschränktes Zeitfenster zur Verfügung hast und das auch nicht überschreiten kannst. Als Anreiz kannst du dir gerade in der ersten Woche deiner neuen Journale-Routine vornehmen dein Schreibvolumen täglich etwas zu steigern.

Es geht nicht darum komplett gestresst und mit Handschmerzen unter Hochdruck zu schreiben, aber nimm dieses Zeitfenster ernst und schreibe. Höre nicht auf zu schreiben ehe die 15 Minuten um sind und mache auch keine Pause. Du willst ja schließlich in Schreibfluss kommen. Ja es könnte etwas anstrengend werden am Anfang, aber es sind ja auch nur ein paar Minuten.

2. Seitenanzahl vorgeben

Die zweite Möglichkeit ist, dass du dir für deine tägliche Schreibpraxis eine feste Seitenanzahl vorgibst. Das heißt, du nimmst dir zum Beispiel vor, dass du jeden Tag zwei Seiten in deinem Notizbuch füllst. In diesem Fall kannst du dir im Prinzip so viel Zeit lassen, wie du möchtest, aber du wirst nicht aufhören, bevor du diese zwei Seiten nicht komplett voll geschrieben hast.

Solltest du ein sehr beschränktes Zeitfenster zur Verfügung haben, ist dieser Ansatz möglicherweise etwas ungeeignet. Es sei denn, du bist eine sehr disziplinierte Schreiberin. Teste aber umbedingt davor, ob dein Schreibvolumen in der von dir festgesetzten Zeit zu schaffen ist. Du solltest auf keinen Fall den Schreibfluss aus Zeitnot abbrechen müssen.

3. Zeit und Seitenzahl vorgeben

Abschließend gibt es noch die Möglichkeit beide Ansätze miteinander zu kombinieren. In diesem Fall gibst du dir sowohl ein Zeitfenster als auch die zu füllende Seitenanzahl vor. Zum Beispiel setzt du als Regel, dass du jeden Tag mindestens zwei Seiten in 15 Minuten schreibst. Wenn du komplett neu startest mit dem intuitiven Schreiben, lege ich dir diesen Ansatz sehr ans Herz. Stelle dir deine Regeln auf und halte sie ein – auch wenn es an manchen Tagen harte Arbeit ist. Du hast ein Ziel also geh los dafür. Umso disziplinierter, umso eher wirst du dein Ziel erreichen.

Als ich vor fünf Jahren mit dem intuitiven Schreiben begonnen habe, habe ich intuitiv diesen kombinierten Ansatz gewählt. Gerade zu Beginn hat es mir persönlich sehr gut getan nicht viel drüber nachzudenken, sondern einfach zu machen. Ich habe mir damals 15 Minuten Zeit gegeben, um zwei Seiten (jeweils Vorder- und Rückseite) in meinem Notizbuch zu schreiben.

Inzwischen reicht mir die reine Vorgabe der Seitenanzahl für mein intuitives Schreiben aus, die ich an einigen Tage auch sehr gerne überschreite. Da fließt es einfach. Zeitlich bekomme ich durch fokussiertes Schreiben fast nie ein Problem, allerdings ist mein Zeitfenster auch nicht so streng und es ist meistens kein Problem, wenn ich ein paar Minuten mehr brauche. Aber auch ich habe Tage, an denen es mir schwer fällt meine vorgegebenen Seiten zu füllen – und das ist okay. Geschrieben wird trotzdem bis die Seiten voll sind.

Du kannst mehr

Wähle zu Beginn eine Seitenanzahl, mit der du dich wohlfühlst. Meistens unterschätzen wir jedoch unser Können. Deswegen empfehle ich dir deine zu Beginn gewählte Seitenanzahl in der ersten Woche kontinuierlich ein kleines bisschen zu steigern. Das müssen nicht gleich ganze Seiten sein, aber zum Beispiel jeden Tag eine siebtel Seite mehr. So dass du am Ende der ersten Woche eine ganze Seite mehr schreibst als zu Beginn gewählt. Nach der ersten Woche kannst du dein erhöhtes Schreibvolumen beibehalten.

Es ist sehr wichtig, dass du dich an deine eigenen Regel hältst. Und das sage ich nicht nur, weil ich dich unbedingt zum Schreiben bewegen möchte (das will ich natürlich auch), sondern weil diese Regeln ein Versprechen dir selbst gegenüber darstellen. Würdest du gegenüber guten Freunden oder deinem Partner deine Versprechen brechen? Vermutlich nicht, oder? Weil es eine Form der Wertschätzung ist. Schätze dich selbst wert und halte die Versprechen, die du dir gibst. Das ist ein absolut essenzieller Schritt auf dem Weg zu mehr Selbstbewusstsein.

 

10 Tipps, die dir bei deinem Start mit dem intuitiven Schreiben helfen

Vertrauen

Vertraue, dass es gut ist, was du schreibst. Und mit Vertrauen meine ich auch Vertrauen und nicht kontrollieren. Es hat seinen Sinn, warum du genau das schreibst, was du schreibst. Vertraue einfach, dass es gut ist und dass es genug ist. Auch wenn du den Sinn nicht sofort erkennen kannst. Vertraue dir selbst, das ist bereits der erste Schritt zu mehr Selbstbewusstsein.

Vergiss, was du in der Schule gelernt hast

Beim Journalen geht es nicht darum einen stilistisch schönen und grammatikalisch richtigen Text zu schreiben. Ganz und gar nicht. Es geht darum genau das zu schreiben, was dir in den Sinn kommt und das als absolut genug und gut anzunehmen. Vergiss Grammatik, Rechtschreibung und die Regel, wie man einen Aufsatz schreibt. Schreib wild und frei in deinem Stil!

Ehrlichkeit und Offenheit

Umso ehrlicher und offener du mit dir selbst bist beim Journalen, umso mehr kannst du daraus für dich lernen und mitnehmen. Das ist wie in einem Gespräch mit einer sehr vertrauten Person. Du musst ihr offen und ehrlich sagen, was du denkst, damit sie darauf reagieren kann. Genau so ist es auch beim Journalen. Es ist wie ein vertrautes Gespräch zwischen dir und deiner Seele.

Keine Bewertung!

Wir sind so verführt ständig zu bewerten was wir tun. Lass das Bewerten! Schalte den inneren Kritiker aus, schick ihn in die Pause oder mach sonst irgendwas mit ihm. Beim Journalen hat er zumindest nichts zu sagen. Deine Seele will sich mitteilen und dabei nicht ständig unterbrochen werden, nur weil ein Komma nicht richtig sitzt oder ein Wort nicht perfekt gewählt wurde!

Belohnung am Ende

Zu Beginn deiner Journal-Routine setzt du dir einen Zeitraum, für den du dir selbst versprichst diese neue Routine auch wirklich jeden Tag durchzuziehen. Um dir selbst für dieses Versprechen und deine Mühen zu danken, kannst du dir für das Ende des Zeitraums eine Belohnung überlegen. So kannst du dir selbst für deine Disziplin danken und diese wertschätzen.

Geduld

Auch wenn du verführt bist deine Texte direkt zu lesen und möglicherweise auf Verwertbares und Qualität zu prüfen, tu es nicht! Denn genau das, kann die Magie im Keim ersticken. Sei geduldig und setze deine Energie lieber ins Schreiben. Gib dir Mühe so ehrlich, aufrichtig, offen und authentisch wie möglich zu schreiben!

Lass deine Erwartungen gehen

Ganz bestimmt hast du ein Ziel, das du mit deiner Journal-Routine verfolgst oder du hast zumindest ein paar Erwartungen an sie. Das ist gut so, aber wenn du schreibst, lass sie gehen. Es wird alles kommen. Jetzt geht es ums Schreiben, der Rest kommt später. Tief durchatmen, loslassen und schreiben.

Du schreibst für dich!

Halte dich beim Schreiben nicht zurück. Niemand wird deine Texte lesen. Du schreibst alleine für dich! Also schreibe auch so als würdest du nur für dich und nicht für sonst irgendwen schreiben. Denn darum geht es nicht. Es geht einzig und alleine um dich.

Keine Vergleiche!

Jede Frau und somit auch jedes Journal ist absolut einzigartig. Vergleiche sind sinnlos! Sei ganz bei dir, bei deinen Gedanken und deinen Gefühlen. Du kannst vollkommen darauf vertrauen, dass niemand dein Journal besser schreiben könnte als du selbst. Denn niemand kennt dein eigenes Leben besser als du!

Geduld und Sanftmut

Ja manchmal klappt es nicht auf Anhieb so gut. Aber der Wille zählt. Gib dir Zeit und sei großzügig und gütig mit dir selbst auf dem Weg. Manchmal braucht es etwas Übung und Training bis es flutscht. Auch ich habe Tage, an denen ich mir schwer tu, an denen ich mich überreden muss immer noch eine Zeile zu schreiben. Sei dir bewusst, dass du nicht alleine bist und betrachte dich selbst in diesem Augenblick mit liebevollen Augen. Auch diese Tage dürfen sein.

Schreib dich zu mehr Selbstbewusstsein! Ich wünsche dir ganz viel Freude und Leichtigkeit dabei!

Wie du dir eine Journal-Routine aufbaust, die wirklich zu dir passt, liest du hier.

Was du noch mehr zum intuitiven Schreiben erfahren möchtest, kannst du hier weiter lesen:

Hast du noch Tipps für den Start ins intuitive Schreiben oder Erfahrungen, die du gerne teilen möchtest? Schreib mir eine Nachricht an katharina[at]writingtrees.de oder einen Kommentar unter diesen Artikel. Ich freue mich von dir zu lesen!